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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Diskussion

Grüner Stern. Esperanto und die Geschichte einer jüdischen Sprachutopie

28.11.2017 19:00

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Zum 100. Todestag Ludwik Zamenhofs

mit Liliana Ruth Feierstein

Programmheft: hier (PDF)

Eintritt: 8 / 5 EUR

Ort: Jüdisches Gemeindehaus, Fasanenstraße 79–80, 10623 Berlin

1887 wurde "Unua libro", das erste Manifest für Esperanto – auf Russisch von einem jüdischen, jiddischsprechenden Augenarzt, der als Dr. Esperanto (Dr. "Der Hoffende") unterschrieb – in Warschau veröffentlicht. Wenn sie auch nicht die erste Plansprache war, so ist sie doch diejenige, die sich durchgesetzt hat.

Anderes als Volapük oder Neo-Latein wurzelt das Esperanto tief in der jüdischen Tradition. Das "Prinzip Hoffnung" (Esperanto) kombiniert die Ideen der Utopie (als soziale Gerechtigkeit, wie sie in dem Schrei der Propheten zu hören ist) mit der zentralen Rolle der Sprache für die Menschheit und für die Zukunft. Auf der Grundlage eines jüdischen Kosmopolitismus, der die Differenzen nicht nur respektiert sondern auch zu schützen weiß, schuf Ludwik (Lejzer) Zamenhof mit seinem Beitrag eine revolutionäre Übersetzung der jüdischen Sprach- und Sozialideen, die er später mit seinem "Hillelismus"-Programm noch verstärken sollte.
 
Der Beitrag folgt dem roten Faden der jüdischen Komponenten der Esperanto-Geschichte und liest sie durch die jüdische Philosophie, u.a. im Lichte der Sprachphilosophie Walter Benjamins und der politischen Philosophie Hermann Cohens, Franz Rosenzweigs und Ahad Ha‘ams. Besonders die Auseinandersetzung zwischen den osteuropäischen und französischen Esperantisten am Anfang der 20. Jh. zeigt deutlich, wie unterschiedlich Utopie, Sprache, Spiel und Menschheit im »westlichen« und im jüdischen Denken verstanden werden.
 
Liliana Ruth Feierstein, in Argentinien geboren, ist Professorin für die transkulturelle Geschichte des Judentums am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin und am Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind jüdische Kultur, Geschichte und Literatur in romanischsprachigen Ländern, Theorien der Diaspora sowie jüdische Utopien.

Info: www.jvhs.de