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Es begann in Gdańsk

Musik

Krieg Oder Frieden

20.09.2019 19:30

../img/wydarzenia/2019-09-20 EMPFEHLUNG Philharmonisches Konzert Henryk Mikołaj Górecki (Wikipedia - Public Domain)_320.jpg
1. Philharmonisches Konzert mit Musik von Henryk Mikołaj Górecki

Eintritt: 16–31 EUR
 
Ort: Konzerthalle Carl Philipp Emanuel Bach, Lebuser Mauerstraße 4, 15230 Frankfurt (Oder)

Es gibt keine Finsternis, die nicht vom Licht besiegt werden könnte. Mit dieser Botschaft eröffnet das Brandenburgische Staatsorchester seine neue Spielzeit, die unter dem Generalthema „Krieg Oder Frieden“ steht. Sie schaut 75 Jahre nach dem Sieg über das Dritte Reich auf die Wunden, die es hinterließ – und zeigt, wie Musik helfen kann, nach dem Dunkel der Vergangenheit lichteren Tagen entgegenzusehen.
 
Zu jener Kette der Verbrechen, die in die schwärzeste Zeit der deutschen Geschichte fielen, gehört die Auslöschung des Ortes Lidice. 1942 umstellten Gestapo, deutsche Polizeikräfte und SS-Offiziere dieses tschechische Dorf, erschossen alle Männer, deportierten alle Frauen, sprengten alle Häuser des Dorfes und ebneten die Ruinen ein. Lidice sollte für immer von der Landkarte verschwinden, als Vergeltungsmaßnahme für das tödliche Attentat auf Reinhard Heydrich – einem der Hauptorganisatoren des Holocaust.
 
Als der tschechische Komponist Bohuslav Martinů im amerikanischen Exil erfuhr, was diesem Dorf widerfahren war, schrieb er ein „Mahnmal für Lidice“. Es ist sein einziges Werk für großes Orchester. Es fließt in diesem Konzert über in die Musik des polnischen Komponisten Henryk Mikołaj Górecki, in der ein Klagelied Marias mit einem Gebet verschmilzt, das ein Gefangener im Keller des Gestapo-Hauptquartiers von Zakopane in die Wand ritzte. Eine Musik, die durch einen sphärischen Sopran tief berührt. Gesungen wird er von der mit mehr als einem Dutzend Preisen ausgezeichneten Sopranistin Marcelina Beucher. Eine dieser Ehrungen erhielt sie 2014 in Polen für das beste Operndebüt des Jahres. 
 
Nach ihr leitet Franz Schuberts Sinfonie Nr. 4, die in c-Moll beginnt und im strahlenden 
C-Dur endet, über von der Klage zu einem Finale der Hoffnung. Danach reißt vollends der Himmel auf, wenn Generalmusikdirektor Jörg-Peter Weigle das Brandenburgische Staatsorchester, den Großen Chor der Singakademie und zudem noch den deutsch-polnischen Adoramus-Chor bei der Aufführung von Francis Poulencs „Gloria“ dirigiert. Ein Werk, das Musik in Zuversicht und etwas Leuchtendes verwandelt.
 
Konzertprogramm:
 
Bohuslav Martinů: »Lidice« Trauermusik für Orchester
Henryk Mikołaj Górecki: Sinfonie Nr. 3 op. 36 »Klagelieder« – II Lento – largo
Franz Schubert: Sinfonie Nr. 4 c-Moll D 417 »Tragische«
Francis Poulenc: Gloria FP 177 für Sopran, Chor und Orchester

Jörg-Peter Weigle, Dirigent / Marcelina Beucher, Sopran
Adoramus Kammerchor
Grosser Chor der Singakademie Frankfurt (oder)
 
Der polnische Komponist Henryk Mikołaj Górecki war Vorläufer der polnischen Avantgarde der späten fünfziger Jahre und hatte erste Erfolge beim Festival "Warschauer Herbst". Nachdem er den Gewerkschaftspreis polnischer Komponisten erhalten hatte, studierte er 1961 und 1963 in Paris, wo er Olivier Messiaen, Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen kennenlernte. Die 3. Sinfonie "Sinfonie der Klagelieder" gehört seinen Hauptwerken.
 
Der Słubicer Adoramus-Chor wurde im Jahre 1991 von Dr. Barbara Weiser-Lada gegründet. Sie betreute vor 1989 deutsch-polnische Kinderchöre. Nachdem damals die Grenze nach Polen geschlossen wurde, gründete sie den Adoramus-Chor. Von Anfang an nahm der Chor aktiv am kulturellen Leben der Woiwodschaft Lubuskie und des Landes Brandenburg teil. Seine Mitglieder stammen aus dem Grenzgebiet auf beiden Seiten der Oder, es sind sowohl Polen als auch Deutsche.
 
Das Konzert beginnt um 18:45 mit Einführungsvortrag von Jens Lehmann.
 
Veranstalter: Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt
 
Info: www.bsof.de/de/konzerte2018/94573, https://www.bsof.de/filesv/de/BSOF_Saisonheft_2019-20.pdf