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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Über uns

Öffnungszeiten: Di-Fr 10.00 - 18.00
Bürozeiten: Di-Fr 10.00 - 16.00
Bibliothek: Di, Fr 12.00 - 16.00; Do 14.00 -18.00
Tel.: 030 / 24 75 81-0

Das Team:

Direktor: Tomasz Dąbrowski
Stellvertretende Direktorin: Jolanta Miśkowiec

Sekretariat: Anna Rogińska-Rossiwall
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Marcin Zastrożny

Referenten:
Film: Kornel Miglus
Literatur, Musik und Theater: Jacek Głaszcz
Kunst: Aneta Panek

Verwaltung: Maria Hajduk, Ewa Alberto Garciolo
Technik: Mikołaj Tarnowski

Bibliothek: Annekathrin Genest


Das Polnische Institut Berlin besteht bereits seit den 50er Jahren als eine Einrichtung des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der Republik Polen. Die Tätigkeit hat sich nach der Wendezeit entscheidend verändert. Heute befasst sich das Polnische Institut mit der Präsentation und Förderung polnischer Kultur in Deutschland und möchte Interesse nicht nur für die vielfältige polnische Kultur, sondern auch für die Geschichte, die Traditionen und das europäische Engagement Polens wecken.
Das Programm des Instituts umfasst Ausstellungen, Präsentationen, Konzerte, literarische Abende, Aufführungen, Diskussionen und Konferenzen in den Bereichen Film, Literatur, Musik, Theater und Bildende Kunst. Der Schwerpunkt bei der Auswahl des Programms liegt auf der aktuellen, neuesten und zeitgenössischen Kunst und Kultur, um dadurch zeigen zu können, wie dynamisch sich die polnische Kultur entwickelt und wie junge polnische Künstler mutig und äußerst erfolgreich neue Wege des künstlerischen Ausdrucks beschreiten. Dank der sich stets verjüngenden Künstlergeneration verfügt Polen nicht nur über eine facettenreiche Geschichte, sondern hat auch eine blühende Zukunft vor sich.



Das Polnische Institut Berlin ist Mitglied der EUNIC-Berlin www.eunic-berlin.eu


Geschichte des Polnischen Instituts Berlin

50 Jahre Polnisches Institut in Berlin
Scheinbare Normalität


Der Vorläufer des Polnischen Instituts, das Haus der polnischen Kultur, wurde 1956 in einer Zeit des politischen Tauwetters berufen und war einerseits Ausdruck der Strebens der polnischen Seite nach einer polnischen Kultureinrichtung in Berlin, dahingehende Bemühungen wurden bereits seit 1953 unternommen, andererseits sollte die Einrichtung nach dem Verständnis der damaligen DDR scheinbare Normalität vermitteln und zeigen, dass Berlin, die Hauptstadt der DDR, weltoffen ist, andere Kulturen präsent sind, der Bürger nicht alleine ist und Freunde im Ausland hat, die wie er den Sozialismus aufbauen. In derselben Zeit entstanden in Berlin Kulturhäuser der Tschechoslowakei und Ungarns. Das Kulturzentrum der Sowjetunion war selbstverständlich bereits früher präsent.
Auf Anweisung der Staatsregierung wies die Stadt dem Haus der Polnischen Kultur einen Pavillon in der Friedrichstrasse 103 Ecke Weidenmarkt zu. Das Objekt war an den Bedürfnissen der Einrichtung gemessen viel zu klein, doch nach zahlreichen Bemühungen der Polnischen Botschaft versicherte die DDR-Regierung, den Pavillon entsprechend den Wünschen der polnischen Seite zu erweitern. Der Ausbau zog sich in die Länge. Die Korrespondenz aus der damaligen Zeit zwischen hohen Beamten beider Seiten betraf keineswegs propagandistisch-politische oder programmatische Fragen sondern bezog sich vielmehr auf notwendige Interventionen bei der Lieferung von Heizkörpern oder Dachpappe. Die Einrichtung erfreute sich sofort großer Beliebtheit bei der Berlinern. Ab Mai wurden bei Vernissagen von staatstragenden Ausstellungen, Filmvorführungen und Musikabenden mit Volksliedern oder bei Chopin-Musik von Schallplatten draußen direkt an der Spree Stühle aufgestellt und man unterhielt sich bis in die späten Abendstunden. Doch diese Idylle dauerte nicht lange. Erste Differenzen kamen mit den Ereignissen in Poznań auf. Der damalige Direktor schrieb in einer vertraulichen Mitteilung an seine Vorgesetzten im Warschauer Außenministerium als das Parteiorgan „Trybuna Ludu“ bereits über die Ereignisse zu berichten begann, dass die Mitarbeiter den Andrang an Interessenten nicht bewältigen können. Die Menschen standen in langen Schlangen auf der Straße, sobald sie in das Gebäude gelangten, rissen sie sich die „Trybuna Ludu“ gegenseitig aus den Händen. Die, die kein Polnisch kannten, schrieben im Stehen ganze Artikel ab und fragten nach jemandem, der sie ihnen übersetzen könnte. Die DDR-Medien schwiegen verbissen über die Ereignisse in Poznań. In derselben Korrespondenz schrieb der Direktor der Einrichtung u. a., dass die Menschen Fragen stellen, warum die örtliche Presse nicht über die Ereignisse informiert. Besucher fragten nach den Umständen und den politischen Folgen. Einen noch größeren Andrang verzeichnete das Kulturhaus nach der Veröffentlichung einer Ansprache von Gumułka in der „Arbeiterstimme“. Gleichzeitig lässt sich aus Archivdokumenten schließen, dass die DDR-Regierung darüber erschrocken war, was im Haus der Polnischen Kultur geschah und versuchte den Zugang zum Parteiorgan der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei der „Trybuna Ludu“ einzuschränken, um so eine Gefahr für die öffentliche Ordnung in der DDR abzuwenden. Der Direktor der Einrichtung und ein Vertreter der Polnischen Botschaft werden in das DDR-Außenministerium gebeten. Man gibt ihnen deutlich zu verstehen, dass sich die DDR-Regierung den Vertrieb der Tageszeitung nicht wünscht, man in dieser Hinsicht jedoch kein Verständnis von polnischer Seite verzeichnet. Agenten der DDR, die in der polnischen Einrichtung arbeiten, bekommen die Weisung, mit eigenen Mitteln den Zugang zu polnischen Tageszeitungen zu unterbinden. Solche Konfliktsituationen ereigneten sich häufiger angesichts der Ereignisse in Polen in den Jahren 1968, 1970, 1980, während der Streiks in Gdańsk, bei der Zulassung der Gewerkschaft „Solidarność” oder den Beratungen des Runden Tisches usw.
Über die Jahrzehnte realisierte das Institut in seinem Programm bis zum Jahr 1989 die sozialistische Propaganda und versuchte zu überzeugen, dass Polen ein loyales Mitglied des Warschauer Paktes, des Rates für gegenseitige Wirschtaftshilfe und ein befreundeter Staat der Sowjetunion und anderer sozialistischer Bruderländer ist. Gleichzeitig war im Institut stets die polnische Presse zugänglich, es gab sogar eine Zeit, in der sich das Institut mit Abonnements befasste. Es handelte sich selbstverständlich um legale, zensierte Presse, doch die Ereignisse in Polen oder auch andere internationale Begebenheiten riefen stets den Widerstand der DDR-Regierung auf den Plan, weil die polnische Presse Informationen weitergab, die in der DDR nicht zugänglich, verschwiegen oder - was sehr häufig geschah - tendenziös dargestellt wurden. Darüber hinaus gab es vor allem Wochenmagazine, wie „Film“ oder „Radar“, die auch ohne Bezug zu irgendwelchen Ereignissen gleich welcher Art den Widerstand der DDR-Regierung provozierten und man versuchte auch diese Titel aus dem Verkehr zu ziehen. Beide Zeitschriften entsprachen nach Meinung der DDR-Zensur nicht den Vorgaben der DDR, sie waren allzu „westlich“, zu liberal und wichen ganz offensichtlich von der kommunistischen Propagandadoktrin ab.

Kontrollierte Bruderschaft

Im Haus der Polnischen Kultur – der Name wurde mehrmals geändert – arbeiteten bis 1989 entsprechend dem zwischenstaatlichen Abkommen sowohl delegierte polnische Mitarbeiter wie auch DDR Bürger. Über die Jahrzehnte musste der stellvertretende Direktor der Einrichtung DDR-Bürger sein. Diese in vertraulichen Dokumenten als „gute Genossen“ bezeichneten Mitarbeiter hatten die Aufgabe, ständig darüber zu berichten, was im Polnischen Institut vor sich geht, wer es besucht, was gesagt wird, sie sollten den Zugang zur polnischen Presse und zu Büchern, die außer in der Bibliothek nirgendwo anders erhältlich waren, erschweren und das Warensortiment im Verkaufsladen des Instituts kontrollieren. Unabhängig davon lieferten von verschiedenen DDR-Institutionen delegierte „Gäste“ des Instituts schriftliche Berichte von den Veranstaltungen im Polnischen Kulturzentrum. Die polnische Leitung versuchte mehrmals vergeblich die übereifrigen „guten DDR Genossen“ loszuwerden. Aus DDR-Unterlagen geht ebenfalls hervor, dass einige „gute Genossen“ sich mit der Zeit als illoyal gegenüber ihren Auftraggebern erwiesen und sich mit den polnischen Angestellten allzu sehr anfreundeten oder vom polnischen Temperament einnehmen ließen. Dann versuchte die DDR-Seite, diese Mitarbeiter aus dem Institut zu entfernen.
Wie bereits erwähnt hatte das Programm des Instituts, vor allem die Ausstellungen, Vorträge und Podiumsdiskussionen, einen eindeutig propagandistischen und sozialistischen Charakter. Gleichzeitig aber kamen im Programm der Einrichtung ständig Veranstaltungen, hauptsächlich Filmvorführungen vor, die entschiedenen Widerspruch der DDR-Regierung hervorriefen. Es handelte sich dabei fast ausschließlich um Filme, die im Polnischen Institut präsentiert wurden. Als Beispiel könnte man hier ein vertrauliches Schreiben des Kulturministeriums der DDR an das Außenministerium der DDR aus dem Jahr 1962 anführen, worin das Kulturministerium folgende Filme bemängelt, die im Polnischen Kulturzentrum präsentiert werden: „Kanał”, „Popiół i Diament”, „ORP Orzeł”, „Eroica” und „Matka Joanna od Aniołów”. Der Autor des Schreibens ruft die Kulturabteilung des Außenministeriums der DDR dazu auf, sich an die Botschaft Polens zu wenden, um die Vorführung dieser Filme mit sofortiger Wirkung zu unterbinden. Der Konflikt um das Filmprogramm begleitete das Institut praktisch ab dem Beginn seiner Tätigkeit. Einigen Produktionen warf man vor, sie würden die Realität in allzu grauen Farben darstellen, andere sollen westlichen Vorbildern nachgeeifert oder sozialistische Werte in Frage gestellt haben. Dabei hat das Institut ausschließlich Filme präsentiert, die sowohl von der polnischen Zensur abgesegnet wurden als auch offiziell zur Distribution zugelassen waren. Mitte der 60er Jahre stellt die DDR eine eindeutige Forderung: das Institut darf nur jene Filme präsentieren, die auch von der DDR-Zensur akzeptiert wurden, also de facto nur diese, die zum offiziellen Vertrieb in der DDR zugelassen waren. Der Konflikt dauerte Jahre. Um die Spannungen kurzfristig abzubauen, wurde das zuvor geplante Veranstaltungsprogramm für kurze Zeit ausgesetzt, die prekären Filme wurden durch staatstragendere Produktionen ersetzt, doch anschließend zeigte man wieder herausragende polnische Filmproduktionen.

Die Beziehungen zwischen Menschen finden über Dinge statt

Die materialistische These fand ganz unbeabsichtigt ihre Bestätigung im Verkaufsladen, der über die Jahrzehnte im Institut unterhalten wurde. Das laut Dokumentation exakt mengenmäßig und prozentual definierte Warensortiment der 60er Jahre aus Drucksaschen, Keramik, Glas- und Lederwaren, Schallplatten sowie Kunsthandwerk zog eine große Zahl Kunden an. Noch in den 50er Jahren lockte der Verkaufsladen durch den Mangel an Konsumwaren in der DDR, später jedoch wurden u. a. Waren angeboten, die in der DDR nicht erhältlich waren. Vor allem Schallplatten mit Unterhaltungsmusik aber auch Kleidung (als Kunsthandwerk) überwiegend für Damen, die in ihrem Schnitt und Muster an westliche Mode erinnerte. Daher kam es rasch zu einem Konflikt mit der DDR-Regierung. Ursache waren vor allem Schallplatten und Druckerzeugnisse. Die offizielle Korrespondenz enthält Definitionen, was man für Druckerzeugnisse hält, und was nicht. Es kam vor, dass die DDR-Seite meinte, es würde sich dabei um Bücher, Plakate, Tourismusinformationen, aber keinesfalls um Presse handeln. Diese war nämlich ein ständiger Stein des Anstoßes. Doch auch einige Bücher weckten Bedenken, weil es sich nach näherer Betrachtung herausstellte, dass diese nicht von der DDR-Zensur begutachtet wurden. Dieses Problem betraf übrigens auch die Bibliothek des Instituts, in der man anders als in den Universitätsbibliotheken oder in der Nationalbibliothek keine Genehmigung zum Ausleihen oder Lesen eines Buches, das nicht allgemein zugänglich war, vorlegen musste. Es stellte sich immer wieder heraus, dass das, was in Polen erlaubt und legal war, in der DDR nicht unbedingt legal sein musste. Bereits zu Beginn der Tätigkeit des Instituts in den 50er Jahren schrieb der damalige Direktor der Einrichtung nicht ohne Irritation an seine Vorgesetzten in Warschau, man möge ihm „nur jene Bücher schicken, die hier keine Bedenken hervorrufen! (...)“. Dem Ton der Korrespondenz lag eine scharfe Kritik seitens der DDR zu Grunde.
Die DDR-Regierung reagierte besonders empfindlich bei Schallplatten mit Unterhaltungsmusik für Jugendliche. Zahlreiche Aufnahmen der 60er Jahre knöpften ganz offen an angelsächsische Vorbilder an. Doch ein wahres Phänomen war das Schaffen des vor kurzem verstorbenen Czesław Niemen. Seine Musik hatte entscheidenden Einfluss auf Generationen junger Polen und der Song „Dziwny jest ten świat” wurde zur Hymne der Generation der 60er Jahre. Als die im Jahr 1967 aufgenommene Schallplatte „Dziwny jest ten świat” im Institutsladen angeboten wurde, standen vor dem Eingang jedes Mal riesige Schlangen, sobald eine neue Lieferung eintraf. Niemens Musik gelangte in die DDR nicht nur über den Institutsladen, sie wurde ebenso häufig aus dem polnischen Rundfunk aufgenommen oder es wurden Schallplatten aus Polen über die Grenze geschmuggelt. Bis zum Beginn der 70er Jahre versuchte die DDR-Regierung gegen den Niemen-Trend anzukämpfen. An der Grenze wurden Schallplatten konfisziert, das Institut wurde für deren Verkauf kritisiert, die öffentliche Aufführung seiner Stücke war verboten. 1972 hat die DDR-Regierung festgestellt, dass sich die Attraktivität Niemens einschränken lässt, wenn man seine Musik in der DDR herausgibt. Die Popularität Niemens unter DDR-Jugendlichen war ein wahrhaftiges Phänomen. Das bestätigte der Verlauf der Podiumsdiskussion zum 50. Gründungsjubiläum des Polnischen Instituts mit Bert Noglik, Hermann Schmidtendorf, Paweł Stompke und Thomas Krüger, einem Zeitzeugen der damaligen Ereignisse in der DDR. Tatsache ist, dass Niemens Musik originell war und ein hohes künstlerisches Niveau repräsentierte, doch seine polnischen Texte blieben für die meisten DDR-Hörer unverständlich. Trotzdem fühlten die meisten instinktiv, dass der Künstler etwas wichtiges und außergewöhnliches zu vermitteln hat. Niemen selbst hielt sich von der Politik fern, er hielt sich nicht für einen Oppositionellen. In der DDR der 60er und 70er Jahre war er ein Symbol der Befreiung und ein Befürworter der wahren Werte, ähnlich wie in Polen.

Ein Block, zwei Welten

Bis zur Wende von 1989 präsentierten das Polnische Institut in Berlin und das 1968 zunächst als Filiale des Berliner Instituts gegründete Institut in Leipzig die polnische kommunistische Propaganda. Den Programmautoren und den Mitarbeitern selbst war die Besonderheit der DDR größtenteils nicht bewusst. Sie wussten, dass es vor allem in Krisensituationen, während der Arbeiterproteste, Streiks, Massendemonstrationen und der Ereignisse des Jahres 1968 wichtig war, die DDR-Bürger und Regierung davon zu überzeugen, dass Polen festes Mitglied des sozialistischen Staatenblocks ist, dass es die geltenden Ideale verwirklicht, und dass diese verschiedenen Ereignisse nur marginale Bedeutung haben. Man sah jedoch nichts Negatives im Angebot der offiziellen polnischen Presse, die Vorführung polnischer Filme, die auch in polnischen Kinos liefen sah man als ganz selbstverständlich an. Andererseits verwundert die Tatsache, dass alle weiteren Institutsdirektoren die umstrittenen Filmvorführungen nicht aufgeben wollten und dabei, wie aus Unterlagen hervorgeht, von den polnischen Botschaftern und Vorgesetzten in Warschau unterstützt wurden. Man könnte meinen, ihnen gebühre hierfür Lob. Die Tatsache, dass das Polnische Institut über die Jahrzehnte für viele DDR-Bürger ein gewisses Fenster zur Welt war, ist nicht auf damalige politische oder programmatische Annahmen zurückzuführen, sondern ist eine Folge dessen, dass die Grenzen der schöpferischen, künstlerischen und publizistischen Freiheit sowie der Umgang mit westlichen Strömungen und Tendenzen in Polen viel weiter gesteckt waren, als in der DDR. Das Institut präsentierte ausschließlich legale und in Polen zensierte Filme, Literatur, Kunst und trotzdem war es Dutzende, vielleicht Hunderte Male der Kritik und manchmal sogar dem kategorischen Widerspruch wenn nicht Verboten seitens der DDR ausgesetzt. Sogar die offizielle vom Kommunismus erfasste Volksrepublik Polen war in der DDR für die einen eine Oase, wie das Österreichische Institut einst für die Warschauer, für die anderen jedoch eine Bedrohung und ein Unsicherheitsfaktor.

50 Jahre und drei Epochen

Das Institut wechselte mehrmals seinen Namen und drei Mal seinen Sitz. Es veränderten sich die Tätigkeitsformen des Instituts. Zunächst war es das Haus der polnischen Kultur, ab Mitte der 60er Jahre bis zum Jahr 1970 hieß es Polnisches Kultur- und Informationszentrum, ab 1972 hieß es Polnisches Informations- und Kulturzentrum, im bilateralen Vertrag über die Berufung von Instituten vom 10. November 1989 wird es Institut für Kultur und wissenschaftlich-technologische Information genannt. Diesen Namen trug die Einrichtung offiziell in den 80er Jahren. Nach der Wende wurde das Institut in Polnisches Kulturinstitut umbenannt, im Endeffekt wurde jedoch eine einheitliche Bezeichnung für alle drei Polnischen Institute in Deutschland angenommen: „Polnisches Institut / Instytut Polski“. Bis Anfang der 70er Jahre war das Institut in der gesamten DDR tätig und veranstaltete hauptsächlich in provinziellen Kulturzentren und in Dörfern Veranstaltungen zum Thema Polen. Sie fanden statt in LPGs, in Betrieben, in Wohnbezirksklubs, Krankenhäusern, Armeekasernen, Feuerwachen, in Jungenferienlagern und FDJ-Klubs.
Im März 1972 bezog das Institut einen neuen Sitz in der Karl-Liebknecht-Str. 7 mit über 2000 Quadratmetern. Das geschah nach langwierigen Konflikten mit der örtlichen Verwaltung und einem wahren Sturm, als die DDR-Zentralregierung versuchte, das Institut im neu erbauten Haus des Lehrers am Alexanderplatz unterzubringen, die Bildungsverantwortlichen dem jedoch kategorisch widersprachen und argumentierten, dass ein solches fremdes Element keinesfalls an einem Ort untergebracht werden kann, an den, wie in einem der Dokumente festgehalten wurde, Lehrer aus dem ganzen Land kommen. Das Institut verfügte über zahlreiches Personal hauptsächlich aus Verkaufs- und Verwaltungskräften des großflächigen Landens. Den 70er-Jahre-Boom verdankte das Polnische Institut hauptsächlich dem Film- und Verkaufsangebot. Nicht ohne Bedeutung blieb die Öffnung der Grenze zwischen Polen und der DDR. Die, die sich für die Ungewöhnlichkeit Polens begeistert hatten, suchten nach einer Fortsetzung ihrer Eindrücke im Institut. Der Besucherandrang ging während der Streikwelle in Polen, der Entstehung der Solidarność und später im Kriegszustand deutlich zurück. Das Misstrauen gewann bei vielen Oberhand, sie gaben der antipolnischen DDR-Propaganda nach. Andere begannen das Institut aus Angst, der Zusammenarbeit mit dem revolutionären Polen verdächtigt zu werden, zu meiden.
Ein Wandel erfolgte seit Beginn der 90er Jahre. Endlich war eine unverkrampfte Präsentation der polnischen Kultur möglich, man konnte offen über verschiedene, teils schwierige Themen diskutieren. Nur war das Institut in einem vereinigten Deutschland kein Fenster zur Welt mehr, die durch die Unterschiede zwischen der Volksrepublik Polen und der DDR verursachte Attraktivität war nicht mehr gegeben. Die meisten Ostberliner richteten ihre Aufmerksamkeit von einem Tag auf den anderen auf den Westen, die Westberliner hingegen, wussten nichts von der Existenz des Instituts. Es begannen Zeiten, in denen das Programm des Instituts mit dem unermesslich umfangreichen Kulturangebot der neuen Metropole und Hauptstadt konkurrieren musste. Es war nicht mehr so wichtig, dass ein Künstler, ein Autor oder ein Film aus Polen sind. Wichtiger waren von nun an die Originalität, Qualität, das künstlerische Niveau, die Darbietungsform, die Werbung, die Zusammenarbeit mit renommierten lokalen Partnern, der Mut, auch schwierige deutsch-polnische Themen aufzugreifen.
Vieles von dem gelang seit Beginn der 90er Jahre, doch trotz einiger spektakulärer Veranstaltungen gelang es nicht, das sozialistische Erscheinungsbild des Instituts in der Karl-Liebknecht-Strasse zu überwinden, das die schlimmsten Erinnerungen und Assoziationen hervorrief. Der teure und unpraktische Sitz in einer immer unattraktiver werdenden Gegend präsentierte kein vorteilhaftes Bild von Polen mehr. Daher entschied sich das Polnische Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten nach einer Initiative des amtierenden Direktors des Polnischen Instituts, in einen neuen, repräsentativen Sitz umzuziehen. Seit dem 1. Mai 2005 residiert das Polnische Institut in Berlin in der Burgstrasse 27, im Herzen der Stadt, direkt an der Museumsinsel.

Zdzisław Owczarek
Stellv. Direktor des Polnischen Instituts Berlin (2001-2006)