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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Ausstellung

Dots, Lines & Me - Paweł Zawiślak (aka kropki kreski)

07.03 - 16.05.2013

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Vernissage:
07.03.2013
Donnerstag, 19:00 Uhr

Ausstellung bis: 16.05.2013


Ort: Polnisches Institut
Burgstraße 27, 10178 Berlin

Paweł Zawiślaks Künstlername ist keiner von der üblichen Sorte: „kropki kreski” lässt auf simple schlichte Linien und einfache Punkte schließen, doch sein Portfolio ist alles andere als einfältig. Farbe, Form, Technik, Medium – die Arbeiten scheinen nicht nur in der Ausführung, sondern auch in der Themenwahl keine Grenzen zu kennen. Ob in Mode- und Zeitgeist-Magazinen wie Exklusiv, Vice , Viva!, Gala Men oder bei Kooperationen mit renommierten Marken oder Designern wie Converse, Orska oder Polygon, erfüllt jede Arbeit und jede bestellte Zeichnung einen anderen Zweck, ordnet sich den Gegebenheiten unter und behält dennoch ihre Eigenständigkeit durch die spezielle themenbezogene Machart. Das Polnische Institut präsentiert dem Berliner Publikum eine umfangreiche Werksübersicht, die es in dieser Form hier noch nicht gegeben hat. Die Ausstellung umfasst thematisch breitgefächerte Auftragsentwürfe und unabhängige Arbeiten. Das Spektrum reicht von naturgetreuen farbigen Blumenwiesen bis zu verstörenden schwarz-weiß Szenarien. Den Besucher erwartet ein surrealistischer Ausflug in das zeichnerische Wunderland eines begnadeten Künstlers.

Paweł Zawiślak (geb. 1983 in Warschau) studierte an der Kunstakademie in Wrocław. Er arbeitete für diverse renommierte Konzerne unterschiedlicher Branchen, u.a. H&M und kooperierte häufig mit freien Designern in Moskau, Prag, Budapest.
 
Kurator: Michael Okraj

Paweł Zawiślak zeigt in seinen Zeichnungen Standbilder des realen Lebens. Er würzt sie mit mythologischen Konstruktionen der Gegenwart und ungewöhnlicher Farbgebung. Am beeindruckendsten sind für mich die mikroskopischen Details, die wie architektonische Zeichnungen in der Masse zu energetischen und spannungsvollen Kontrasten verschmelzen. Diese Geschichten sind sehr faszinierend.
Manchmal sind es Kompositionen, die in farbigem Licht als einzigartige Abenteuer erscheinen oder aber die Engstirnigkeit nachäffen, das Unperfekte zeigen, als Sehnsüchte daherkommen, die Gedanken eines ganzen Tages zusammenfügen oder aber eine längere Geschichte voller Symbole nacherzählen. Seine Grafiken riechen, sind mit orientalischen Farben gewürzt und sind scharf im Geschmack, als würde er sie in der Hitze der Mittagssonne kreieren und nicht in unseren geographischen Breiten.
Wenn ich an Paweł denke, muss ich lächeln. Das ist überaus wertvoll. Denn wenn ich an polnische Zeichner denke, denke ich an ihn. Ich habe nicht nur seine Arbeiten im Kopf, sondern ihn selbst mit seiner einzigartigen Sensibilität und seiner Persönlichkeit. Wie viel kompletter ist das Kennenlernen eines Künstlers und seiner Werke, statt eines Galeriebesuchs? Dabei haben wir ihn ganz real hier und jetzt!
 
 

Paweł Zawiślak im Gespräch mit Marcin Różyc.


Ich habe ehrlich ein Problem damit, Dich als Illustrator zu bezeichnen.
Mir geht’s genauso.
 
Also bist Du Künstler?
Illustratoren ähneln Zirkusartisten – sie sollten alles können, alles rechtzeitig abliefern und an die Vorgaben anpassen. Das macht mir langsam keinen Spaß mehr. Ich will keine Zeit und Energie dafür verschwenden, etwas „schnell“ zu machen und dabei auch noch mit anderen zu konkurrieren.
 
Gibt es Bereiche, die Dich bei der Arbeit besonders inspirieren? Zum Beispiel Träume oder das Unterbewusstsein?
Träume sind es sicherlich nicht, weil ich keine habe oder mich zumindest an keine erinnern kann. Ich schöpfe eher aus Erfahrungen und dem, was im Leben passiert. Aber auch Beobachtungen sind hilfreich. Ich arbeite generell in zwei Richtungen: Einerseits kommerzielle Arbeiten, also Illustrationen für Zeitungen, Entwürfe für Bekleidungsunternehmen und andererseits künstlerische Arbeiten, wobei ich hier überwiegend mit Emotionen spiele.
 
„Allegorie der Vergänglichkeit der Welt" – Eine Fliege und Katzen beugen sich über Geld, Schmuck und verfaultes Obst. Diese Arbeit erinnert sehr stark an Vanitätsmotive.
Sie entstand durch Beobachtung dessen, was mich in Moskau umgibt. Also sinnfreier Konsum, Geld, Sex, Prostitution. Meine Kunst ist eine Ansammlung von Gedanken, Gefühlen, Erfahrungen und gleichzeitig eine Analyse dessen, was mich umgibt. Kunst zu machen bedeutet seine Gefühle auszudrücken. Wäre ich Sänger, würde ich diese Gefühle sicherlich singen, als Tänzer würde ich sie mit meinem Körper zum Ausdruck bringen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass meine Arbeiten entstehen, bevor etwas passiert. Sie sind wie eine Vorahnung oder Prophezeiung. Die Arbeit „Everything that shines must die" habe ich kurz vor Anna Przybyszs Tod begonnen. Vor Kurzem wollte ich etwas zum Thema Bestattung machen, als würde ich ahnen, was mit meiner Mutter geschieht. Das ist sehr seltsam…
 
Zeichnest Du Männer, mit denen Du gerne ins Bett gehen würdest?
In meiner Kunst gibt es durchaus Fetisch-Elemente. Ist doch klar, dass ich keine schlanken Jungs male.
 
Warum nicht?
Weil ich einen anderen Fetisch habe.
 
Welchen?
Groß, männlich, behaart.
 
Jung oder alt?
Älter als ich.
 
Warum magst Du Moskau nicht?
Ich glaube ich möchte nicht, dass Du darüber schreibst.
 
Warum?
Das ist kein politisch korrektes Thema.
 
Sag’s doch! Wir können es ja bei der Autorisierung weglassen.
Nimmst Du das jetzt auf?
 
Natürlich. Sei nicht so geheimnisvoll.
Moskau ist ein ganz besonderer Ort und hat mit Europa fast nichts gemeinsam. Moskau ist ein eklektisches Sammelsurium der schönsten und schlimmsten Dinge, die in der modernen Welt vorkommen können. Ein Mann ohne Arme und Beine bettelt hier auf der Straße neben einem Prada-Laden. Diese Umgebung wirkt sich auf die Mentalität der Moskauer aus. Die Menschen leben hier ausschließlich für sich selbst, andere interessieren sie nicht.
 
Denkst Du die Menschen in Warschau, London oder Hamburg sind einfühlsamer und hilfreicher?
Ich denke schon. Ein gewöhnliches Beispiel: Wenn Du etwas auf der Straße verlierst, wird Dich in Europa sicherlich jemand darauf ansprechen oder es gar aufheben und es Dir geben. In Moskau interessiert es niemanden. Selten hört man auf der Straße das Wort „Entschuldigung“. Stattdessen höre ich überall nur: „Russland ist stark!“ Hier muss man stark sein. Ein russischer Mann muss einen Bauch haben und eine Familie ernähren und er muss heterosexuell sein oder zumindest so tun. Andererseits gibt es hier wundervolle Architektur. Ich liebe natürlich die Skulpturen in der U-Bahn, sie sind stark überzeichnet und sollen die Macht und die Größe des Imperiums symbolisieren. Es gibt hier auch tolle Ausstellungen.
Dank Moskau fühle ich mich stärker und selbstbewusster. Ich weiß, dass ich zurechtkomme und auch in schwierigen Situationen immer eine Lösung finde, es hat immer schon funktioniert und auch jetzt ist es so. Früher war ich viel verschlossener, ich war totaler Soziopath. Jetzt kann ich ganz ungezwungen Menschen treffen und mit ihnen reden. Das hat mich viel Überwindung gekostet. Jetzt weiß ich aber, dass man von anderen Menschen sehr viel lernen kann. Ich bin immer noch neugierig auf ihre Emotionen, ihre Lebensgeschichten und die Gespräche.
 
Wo wohnst Du in Moskau?
In der siebenten Etage in einer Plattenbausiedlung. 20 bis 30 Minuten U-Bahnfahrt von der Innenstadt entfernt. In der Nähe der Station Rechnoy Vokzal. Es soll eine sehr gefährliche Gegend sein, mich stört das aber gar nicht.
 
Warum hast Du dir ausgerechnet diesen Ort ausgesucht?
Weil die Wohnung Fenster hat und viel Tageslicht reinfällt. Weil ich es nicht weit zur Arbeit habe. Weil ich dort einen großen Tisch habe an dem ich arbeiten kann und schließlich weil es dort nur wenige Kakerlaken gibt – im Durchschnitt eine alle zwei Tage.
 
Also hast Du den Bezirk nicht gewählt, weil er schön und trendy ist und viele Cafés hat?
Nein. Hier gibt es Plattenbauten und sowohl legale wie auch illegale Einwanderer.
 
Magst Du diese Atmosphäre?
Sie ist inspirierend. In Wrocław wohnte ich in Ołbin, in einem Wohnhaus aus der Vorkriegszeit mit Einschusslöchern in der Fassade und vielen Zigeunern als Nachbarn. In Moskau lebe ich neben Tadschiken, Usbeken und armen Russen. Nachbarn in meinem Alter tragen Jogging-Hosen, spielen Hockey, interessieren sich für Fußball, manchmal für Speedway und tragen Siegelringe. Ein Siegelring mit Edelsteinen wird in absehbarer Zeit sicherlich in einer meiner Arbeiten auftauchen. Er wird Stärke, Macht, Geld aber auch Peinlichkeit symbolisieren. Ein Ring wird auch ein Fetisch sein.
 
Gibt es in Moskau Cafés, Galerien oder Gassen die Du besonders magst?
Ich führe keinen wahnsinnigen Lebensstil. Ich reise permanent durch Russland und besuche Städte, die in verschiedenen Zeitzonen liegen. Krasnodar, Wolgograd, Woronesch, Rostow, St. Petersburg sind nur einige davon. Ich arbeite 12-13 Stunden am Tag. Wenn ich manchmal schnell nach Hause will und ein Taxi vom Flughafen nehme, dauert das bis zu 2 Stunden. Man kann nicht wirklich voraussehen, was hier passieren kann.
 
Toll!
Ist schon toll, aber auch etwas problematisch. Es gibt Momente, in denen ich alleine in Städten bin, die ich nicht kenne, ich sehe Flughäfen, die am Rande des Zusammenbruchs sind, dann eine Reihe von Schornsteinen, Einkaufszentren und Hotels. Ich versuche diese Orte zu googeln, um später von ihrem Erscheinungsbild nicht überrascht zu sein. Diese Reisen nehmen mich sehr mit. Ich versuche jedoch, innere Ruhe zu bewahren. Dank dessen bin ich stärker und selbstbewusster. Problematisch ist es auch wenn ich konkrete Abgabetermine einhalten muss, daher habe ich gelernt, überall zu arbeiten. Ich bin nicht in der Lage zu beurteilen, wie mein Tag verlaufen wird, zeichne also in der U-Bahn oder in der Straßenbahn. Zeit ist für mich sehr wertvoll.
 
Wenn Du in der U-Bahn zeichnest, beobachten Dich die Menschen?
Ja.
 
Sprechen sie Dich auch an?
Nein, hier redet man nicht mit anderen Menschen.
 
Gehst Du auf andere Menschen zu, wenn Du in Polen bist?
Ich tue es sowohl in Polen wie auch in Russland. Ich komme aus einem Elternhaus, in dem großer Wert auf gute Umgangsformen gelegt wurde und bin stolz darauf.
 
Du bist in Dzierżoniów aufgewachsen. Niederschlesien ist eine faszinierende Region, auch wegen der großen Dichte an Kunst und Kulturdenkmälern, die sich so sehr von denen im restlichen Polen unterscheiden. Es ist ehemals deutsche Architektur und Kunst. Hatte das Einfluss auf Deine Entwicklung?
Mehr als die Architektur beeinflussten mich als Kind die Besuche bei meinem Großvater in Uciechów nahe Dzierżoniów. Als ich Kind war, faszinierten mich handgemachte Werkzeuge. Mein Großvater fertigte landwirtschaftliche Geräte, Mützen, Gürtel und sogar Schuhe. Mich interessierten auch die volkstümlichen Heiligenbilder die bei meinem Großvater hingen und die nachkolorierten, unvollkommenen Fotografien.
 
Interessiert Dich die tragische Geschichte Niederschlesiens, von wo fast die gesamte Bevölkerung brutal vertrieben und ein anderes ebenso brutal vertriebenes Volk angesiedelt wurde? Faszinierend ist auch die Tatsache, dass es kurz nach dem Krieg eine große Ansiedlung überlebender Juden in Dzierżoniów gab. Beeinflusste das irgendwie Dich oder Deine Kunst?
Ich habe mal erfahren, dass mein Großvater während des Krieges Juden versteckte. Sie lebten bei ihm im Schuppen unter der Erde. Doch viel faszinierender finde ich die Gegenwart und die reale Umgebung.
 
Nach Wrocław bist Du zum Studium gekommen?
Nach der Oberschule wollte ich eigentlich Modedesign in Łódź studieren, aber Łódź war dann doch etwas zu weit weg, daher entschied ich mich für Wrocław. Zunächst kam ich an die Berufsschule für Bauwesen – furchtbare Erfahrung – dann entschied ich mich für die Kunstakademie und studierte in Abendkursen Design. Um mir mein Studium zu finanzieren, pflückte ich in Deutschland Kartoffeln, Preiselbeeren und Mais. So finanzierte ich mir mein erstes und zweites Studienjahr. Dann arbeitete ich bei H&M, bekam ein Wissenschaftsstipendium und dann ein Ministeriumsstipendium.
 
Haben Dich die Kunst und Kultur von Wrocław beeinflusst?
Sicherlich hat mich die Sammlung des Nationalmuseums in Wrocław beeinflusst.
 
Was genau?
Jacek Malczewski!
 
Warum?
Schöne, verdammt gut ausgeführte Arbeiten, handwerklich herausragend und voller Symbole. Seine Werke machen sehr nachdenklich. Da sind die Realität, das Leben, der Tod… alles! Ich bewundere auch Eugeniusz Get Stankiewicz und sein Werk „Do it Yourself“ mit dem Kreuz, einem Christus an der Seite, drei Nägeln und einem Hammer. Eine Version des Objektes ist im Nationalmuseum zu sehen, eine andere an einer Fassade in der Altstadt von Wrocław.
 
Wolltest Du schon immer visueller Künstler sein?
Nein, zwischen dem 7. und 17. Lebensjahr war ich Tänzer in den Jugendgruppen Bajkoteka und später Studio. Beide Gruppen waren am Kulturzentrum in Dzierżoniów ansässig. Das war zu 150% meine Leidenschaft.
 
Hast Du schöne Erinnerungen an deine Kindheit in einer Kleinstadt?
Ja. Ich liebte meine Schwestern und meine Mutter. Ich konnte machen was ich wollte, Hauptsache ich war gut in der Schule.
 
Du zeichnest oft Vögel. Ist das ein Art Vogel-Faszination?
Mein Elternhaus stand direkt am Waldrand. Vögel, Rehe und die Natur spielten in meinem Leben immer schon eine große Rolle. Die Arbeit, in der Papageien eine Taube angreifen war eine Auftragsarbeit für das Kinderlabel CzesioCiuch. Darin geht es um Zurückweisung aus der Gruppe und um langwieriges Mobbing von Kindern, in der Schule oder auf dem Spielplatz.
 
Und der große, graue Vogel der einen Papagei frisst?
Dieses Bild hängt mit einer beruflichen Situation zusammen, die ich in Rumänien erlebt habe. Sokół (Falke) ist eine Firma, die mich damals gefressen hat (lacht).
 
Was ist die perfekte Traumstadt in der Du gerne leben würdest?
Aus beruflichen Gründen sicherlich New York, aber am liebsten wäre ich mit meinem Partner, mit Hunden und Katzen in Dzierżoniów.
 
Hast Du keine Angst vor der Engstirnigkeit von Kleinstädten?
Nein. Ich bin der Großstädte überdrüssig.
 
Du machst Kunst und lebst in Moskau, einer seltsamen und verdammt interessanten Stadt. Du reist durch ganz Russland. Arbeitest für H&M, eine der wichtigsten Modeketten weltweit. Beruflich bist Du sehr erfolgreich.
Ich habe mich nie als Erfolgsmensch gesehen. Ich versuche immer das Beste zu geben, sowohl als Kropki Kreski als auch in meiner Arbeit für H&M. Oft geht es leider auf Kosten meiner Gesundheit. Ich will, dass die Menschen, mit denen ich arbeite, zufrieden mit mir sind und meine Mühen wertschätzen.
Man könnte auch denken, dass es in meinem Leben eine Dissonanz gibt zwischen der Arbeit für ein Unternehmen und der Kunst. Aber das stimmt nicht. Ich arbeite gerne in verschiedenen Bereichen gleichzeitig, das erweitert meine Wahrnehmung. Die Arbeit bei einem Unternehmen erfordert eine gewisse Unterordnung. Hier gibt es strenge Regeln und die Absatzzahlen sind sehr wichtig.
Es ist zuweilen schwierig, sich unterzuordnen. Doch ich finde immer einen Kompromiss. Mir muss bewusst sein, dass das was ich tue intelligent, bewusst und kreativ ist. Außerdem lässt mir das Unternehmen kreative Freiheit. Ich kann mir Stifte und Farben leisten. Muss niemanden um etwas bitten, muss keine Käufer suchen und muss nicht auf Überweisungen von Kunden warten. Ich habe hart dafür gearbeitet.
 
Machst Du auch Sachen im Pop-Bereich? Schaust Du zum Beispiel Fernsehserien?
In Moskau arbeite ich überwiegend für H&M, nach der Arbeit entwickele ich meine Kunst.
 
Hast Du dirty pleasures? Du kannst doch nicht ständig arbeiten?
Ich liebe Schuhe. Ich kann ein T-Shirt für 20 Zloty tragen, muss aber gute Schuhe haben.

Was für Schuhe trägst Du?
Schöne.
 
Welche Marken?
Derzeit liebe ich zum Beispiel meine Camper von Bernhard Willhelm. Den Linken habe ich mir selbst gekauft, den Rechten bekam ich von meinem Partner.
 
Ist eine Fernbeziehung einfach?
Nein, aber es stärkt die Beziehung.
 
Seht ihr euch oft?
Jeden Tag über Skype.
 
Und real?
4-5 Mal pro Jahr.
 
Moskau ist feindselig zu Dir, Du meidest soziale Kontakte. Ich kann aber nicht glauben, dass es in Moskau keine Enklaven gibt, in denen es wie in den netten, angesagten Gegenden von Paris oder New York zugeht.
Vermutlich gibt es solche Orte, ich habe sie aber noch nicht gefunden. Bislang kenne ich Orte, wo sich Künstler treffen. Da ist es allerdings unglaublich posch und show off, mich macht das nicht an. Hier hängt sogar der Status in alternativen Künstlerkreisen davon ab, wie viel Geld man hat. Da reicht es nicht, wenn man zwei coole Paar New Balance Schuhe hat, man muss Dutzende aus limitierten Serien davon haben.
 
Aber Du verdienst sicherlich nicht wenig, also wo ist das Problem?
Ich spare für das Studium. Außerdem ist das nicht meine Lebensart.
 
Am meisten erstaunt mich, dass Du ein Nörgler bist. Manchmal denke ich, es sei ein Teil deines Image, wie eine Prada-Tasche.
Ich bin gar nicht so ein Miesepeter.
 
In meiner Anwesenheit schon.
Das liegt daran, dass Du mich gut kennst. Du hast mich noch nie mit meinem Michał und meiner Familie erlebt.
 
Aber ich bin nicht Teil Deiner Familie. Ich beurteile Dich als Journalist. Welches Ziel verfolgst Du mit Deiner Kunst?
Ich will, dass sie zum Denken anregt und so bewegt, wie die Werke von Malczewski. Ich wünsche mir, dass meine Arbeiten ähnliche Gefühle hervorrufen. Ich hänge nicht an meinen Arbeiten. Sobald etwas fertig ist, kann ich es weggeben und es kann ein Eigenleben entwickeln und andere erfreuen. Mein Teil ist getan und ich habe mich an der Entstehung berauscht. Nach der Fertigstellung ist jede Arbeit frei. Auch wenn die Liebe für immer bleibt, die Beziehung ist beendet.