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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Literatur

Anatomie des Alltags

12.03.2009 20:00

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Anatomie des Alltags
Literarischer Abend mit Katarzyna Sowula und Sylwia Chutnik


Moderation: Prof. Dr. Brigitta Helbig-Mischewski


Sylwia Chutnik, geb. 1979, Absolventin der Kulturwissenschaften und Gender Studies, NGO-Aktivistin, Vorsitzende der Stiftung MaMa, Stadtführerin in Warschau. Ihr jüngster Roman Kieszonkowy atlas kobiet (Taschenfrauenatlas, 2008) wurde 2009 mit dem Preis „Paszport Polityki“ ausgezeichnet. Jedes Kapitel des Taschenfrauenatlas beginnt mit einer “Panoramafotografie”, in der namenlose weibliche Typen dargestellt und deren Daseinsbedingungen ausgeführt werden. Danach geht die Autorin zur “Nahaufnahme” über und konzentriert sich auf eine einzige ausgewählte Repräsentantin der von ihr unterschiedenen “Gattungen”. Die vier Hauptfiguren stehen für verschiedene Heldinnengenerationen – eine von ihnen ist ein feminisierter Mann – und sie verbindet die Tatsache, dass sie im selben Haus leben. Ihre Einzelwelten fügen sich also zu einer Wirklichkeit. Wenn man diese als “Wirklichkeit der Opaczewska-Straße” in Warschau deutet, kann man – unter Verwendung der biologischen Kriterien Sylwia Chutniks – von dem Haus als einem Ökosystem sprechen und von seinen BewohnerInnen als RepräsentantInnen einer autochthonen Gattung, die über die Beziehungen zur Außenwelt entscheidet.
Wenn man die beiden Techniken, die die Schriftstellerin anwendet, zusammenführt, drängt sich der Vergleich zum Naturfilm auf. Aber: Die ausgewählten Typen sind nicht repräsentativ, sie spiegeln kein charakteristisches Lebensmodell wieder, sondern sind eindrucksvoll psychologisch. Die Autorin verfährt nicht wie eine Behavioristin, sondern sie blickt in die Seelen der Porträtierten. Oder besser sie erschafft ihnen eine Seele.
Chutnik ist mit Sicherheit am interessantesten unter den dieses Jahr debütierenden Zwanzigjährigen. (Marta Mizuro)

Katarzyna Sowula, geboren 1977 in Tuchów/Polen. Absolventin des Fremdsprachenkollegs der Jagiellonen-Universität in Krakau. Ihr Debütroman Fototerapia (Phototherapie) wurde vom Verlag Czarne 2004 im Rahmen der Serie "Europejki" (Europäerinnen) herausgegeben. Für ihr künstlerisches Schaffen bekam sie das Stipendium des polnischen Kulturministeriums (2005) sowie des Berlin-Brandenburgischen Instituts für Deutsch-Französische Zusammenarbeit in Europa (der Stiftung Genshagen) (2006). Sie lebt, arbeitet und schreibt im Warschauer Stadtteil Praga, fasziniert von dessen spezifischen Atmosphäre. Publiziert Reportagen und Erzählungen. Konzentriert sich auf zwischenmenschliche Beziehungen, forscht nach Absurditäten. Der Erzählband Zero osiemset (Auftrieb) erschien 2007 als ihr zweites Buch.

Brigitta Helbig-Mischewski (Brygida Helbig), Literaturwissenschaftlerin, Schrifstellerin und Übersetzerin, ist Professorin an der Universität Stettin und wirkt auch an der Humboldt-Universität zu Berlin (Polonistik).

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Buch Institut in Krakau

Ort: Literaturwerkstatt Berlin/Literaturbrücke e.V., Knaackstr. 97 (Kulturbrauerei), Eintritt frei

Foto Sylwia Chutnik: Mikołaj Długosz / Foto Katarzyna Sowula: Katarzyna Wencel