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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Ausstellung

Olaf Brzeski - Vorraum/Przedsionek

26.11.2015 - 28.01.2016

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Vernissage:
26.11.2015, 19:00 Uhr

Führung mit Kurator Ory Dessau
09.12.2015, 16:00 Uhr

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Kurator: Ory Dessau

Ort: Polnisches Institut Berlin
Burgstraße 27, 10178 Berlin

Olaf Brzeskis Ausstellung „Vorraum/Przedsionek“ versteht sich als Vorschlag. Aus Materialien wie Pappe und Pappmaschee beschaffen, denen weder Solidität noch Nachhaltigkeit zu attestieren sind, können die ausgestellten skulpturalen Elemente als prototypische, lebensgroße Modelle betrachtet werden – als rein theoretische Darstellungen bisher nicht realisierter Visionen und Pläne. Neben den Implikationen ihrer Materialien und ihrer Ausführung manifestiert sich der konzeptuelle, spekulative Charakter der Ausstellung in deren figurativen Inhalten, welche im Wesentlichen mit Zuständen der Einbildung, der Illusion und der Täuschung assoziierbar sind.
 
Die Ausstellung ist über zwei Bereiche verteilt. Der erste Bereich besteht aus einer Gruppe handgemachter Masken, die Brzeski zusammen mit seinem fünfjährigen Sohn Konstanty gestaltet hat, auf Maß für dessen Kopf. Die Masken ahmen die Gesichtsbedeckungen beliebter Superhelden nach (u.a. Batman, Ironman und Captain America). Der Unfolgsamkeit Konstantys gegenüber dem was Sigmund Freud als das ‘Realitätsprinzip’ bezeichnete entstammend, stellen die Masken geisterhafte Tarnobjekte dar, welche die individuelle Identität des Subjekts verbergen aber gleichzeitig auch die Illusion einer neuen, außergewöhnlichen Persönlichkeit bieten. Auch wenn sie die wahrhaftigen Fantasien eines speziellen Kindes verkörpern, gleichen die Masken ritualhaften Leitern kulturell konstruierter Übergangsriten. Sie stehen für den Weg von der Kindheit zum Erwachsenenalter wie auch für den Unterschied zwischen diesen Lebensphasen.
 
Der zweite Bereich der Ausstellung ist deren Hauptbereich. Er ist von einem überdimensionalen expressionistischen Schatten in der Form eines architektonischen Pappmodells ausgefüllt. Der Schatten verräumlicht Konstantys gedehnte Silhouette (die wir von der Einladungskarte kennen), und transformiert sie in eine theatralische Attrappe eines häuslichen Vorzimmers, das aus einem Drahtlüster besteht, an dessen einem Ende eine Fliege steckt; aus einem Träger, der als Garderobenständer genutzt wird; und aus einer Scheintür mit einem Bleiabguss einer geschmolzenen Klinke.
Brzeskis Vorraum verflechtet die Welt der Wirklichkeiten zweiter Ordnung (der Schatten als archetypisches Symbol der Verdoppelung) mit der Welt der Erfahrungen aus erster Hand (der Schatten als Silhouette seines Sohnes). Daraus folgt, dass das propositionale, vorläufige Wesen des Pappmodels, und die wesenlose Qualität des Schattens, den sie darstellt, einer Verwirklichung unterzogen sind. Die Arbeit wird zum Grenzbereich zwischen Potenzialität und Faktizität; dennoch, wie von der Darstellung der Scheintür in Vorraum und vom Verweis des Schattens auf die Endlichkeit als mythologische Metapher für die umherirrenden Seelen der Toten suggeriert, kann die Arbeit auch den Grenzbereich zwischen Leben und Nachleben, zwischen Temporärem und Ewigem evozieren.
(Ory Dessau)
 
Olaf Brzeski ist ein Bildhauer, der das Medium der Skulptur in unterschiedliche formale Sprachen übersetzt. Bislang präsentierte er seine Arbeiten überwiegend in Gruppenausstellungen u.a. in Belgien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Im Frühling 2015 präsentierte er eine Auswahl seiner Arbeiten in einer Gruppenausstellung im Berliner Künstlerhaus Bethanien.
 
Olaf Brzeski stammt aus Wrocław, seine Ausstellung ist eine Berliner Prelude zum Kulturprogramm der „Kulturhauptstadt Europas Wrocław 2016“.


English version:

Titled Vorraum/Przedsionek (anteroom), Olaf Brzeski’s current exhibition functions as a sort of a proposition. Made of unsubstantial and unsustainable materials such as cardboard and papier-mâché, the exhibition’s sculptural elements can be regarded as prototypical, life-size models—notional demonstrations exemplifying yet unrealized visions, plans. In addition to the implications of its material and technical level, the conceptual, speculative character of the exhibition is further manifested by its figurative contents, which are essentially associable with states of imagination, illusion, and deception.
 
The exhibition is divided into two sections. The first section is a group of homemade masks Brzeski produced with his five-year-old son, Konstanty, made to fit the boy’s head. The masks imitate the face coverings of popular superheroes (Batman, Ironman, and Captain America, among others). Derived from Konstanty’s disobedience to what Sigmund Freud referred to as ‘The Reality Principle’, the masks are phantasmal objects of disguise, obscuring the subject’s individual identity, but at the same time also providing him with the illusion of a new, extraordinary personality. While representing the true fantasies of a specific child, the masks are like a ritualistic conductor of culturally constructed rites of passage. They signify the path from childhood to adulthood, as well as the difference between them.
 
The second section of the exhibition is the main one. It is filled by an oversized expressionist shadow in the form of an architectural cardboard model. The shadow spatializes Konstanty’s stretched silhouette (seen in the image printed on the invitation card), and transforms it into a theatrical mock-up of a domestic anteroom, consisting of a wire chandelier with a fly stuck in one of its ends; a pillar used as a coat hanger; and a false door with a lead cast of a melted handle.
 
Brzeski’s anteroom links between the world of second-order realities (the shadow as an archetypical symbol of duplication) and the world of first-hand experiences (the shadow as the silhouette of his son). Consequentially, the propositional, preliminary nature of the cardboard model, and the unsubstantial quality of the shadow it represents, undergo actualization. The work becomes the threshold between potentiality and factuality; yet, as suggested by the outline of the false door in anteroom, and by the terminal aspect of the shadow as a mythological metaphor for the wandering spirit of the deceased, it can also avow the threshold between life and afterlife, between the temporal and the eternal.
(Ory Dessau)