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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Ausstellung

A pudding that endless screw agglomerates

04.02 - 02.04.2016

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Tomek Baran
Pauline Beaudemont
Nicolas Deshayes
 

Kuratorin: Eva Wilson

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Vernissage:
04.02.2016
Donnerstag, 19:00 Uhr

Ausstellung bis 02.04.2016 

Ort: Polnisches Institut Berlin
Burgstrasse 27, 10178 Berlin

Einem Gedanken Form zu geben erfordert eine Entscheidung für einen Moment des Arrests. In diesem Moment der Gerinnung tritt das, was sich zuvor nur abgezeichnet hat, in einen determinierten Zustand des Materiellen, der Ästhetik, oder des Diskursiven. Etwas ist nicht länger nur möglich oder utopisch, sondern wird stattdessen zum Objekt, zum Symbol, oder zur Ware. Lässt sich eine Übersetzung von Gedanken vorstellen, die nicht in Form versiegelt wird?
 
Die Arbeiten der Ausstellung A pudding that endless screw agglomerates nehmen die Gestalt diskreter Objekte an. Dennoch geht es ihnen um Transformation, Mutation, und Formbarkeit. Die Künstler Tomek Baran, Pauline Beaudemont und Nicolas Deshayes verstehen Verinnerlichung und Veräußerung als Bewegungen der Verdauung. Sie machen Gebrauch von industriellen und synthetischen Materialien (Messing, Beton, Emaille, Aluminium und hochschlagfestem Polystyrol), die vor allem resiliente Oberflächen bieten. Ihre Objekte treten jedoch als Eingeweide, Hohlräume, und Behausungen auf.
 
Der Titel der Ausstellung stammt aus einer gebrochenen Übersetzung des Skripts aus Alain Resnais’ Film Le chant du styrène (1958), der auch den Namen für eine Arbeit von Nicolas Deshayes lieferte. Der Film, mit seinen aus dem Off eingesprochenen alexandrinischen Versen vom Oulipo-Mitbegründer Raymond Queneau, ist eine Ode an die ultra-moderne industrielle Produktion von kommerziellem Plastik. 
 
Die vier puderbeschichteten Metallstangen und Aluminiumreliefs der Arbeit Le chant du styrène (2013) von Nicolas Deshayes erscheinen sowohl als scheinbar funktionales, technisches Element, als auch als Hindernis im Ausstellungsraum. Die Reliefs gleichen parametrischen Wellen oder hautähnlichen Falten. Sie wurden als Sand-Güsse von Styropor-Modellen hergestellt: Das synthetische Erdölprodukt brennt unter dem geschmolzenem Aluminium sofort aus und wird via Eingrabung und Ausgrabung durch den Metallguss ersetzt.
 
Die embryonalen Klumpen, die sich über die generische Oberfläche von Deshayes’ Diptychon vakuum-geformter Polyurethangedärme schlängeln (Cramps, 2015), sind in grau-glänzendes Laminat schrumpfverpackt. Das Material ist biologisch nicht abbaubares, scheinbar anti-organisches Plastik, das jedoch aus fossilen Brennstoffen gewonnen wurde, die über viele Millionen Jahre durch den Verfall prähistorischer Organismen entstanden. Vakuum-Formung dient heute als Standardprozess für die Herstellung industrieller Prototypen und als Methode mechanischer Reproduktion. In den Cramps erstarrt Deshayes’ idiosynkratische physische Geste der Schaumzeichnung unter der sterilen, gespannten Haut.
 
Tomek Barans Arbeiten spielen ebenfalls mit dem unheimlichen Aspekt von Haut und der Frage, was darunter liegt. Ausdehnungen und Kanten treten aus den flachen Leinwänden hervor und bestimmen die Verteilung der Farbe. Die Gemälde folgen damit weniger einer piktorialen Logik als der formalen Konsequenz der räumlichen Gebilde als fast architektonische Strukturen. Das industrielle Emaille, das Baran verwendet, verleiht den Arbeiten einen Glanz, der nicht so sehr einen immersiven Blick erlaubt, als Licht reflektiert und Staub abweist.
 
Das Diptychon #0a0a0a (2015) besteht aus zwei Verpackungselementen aus Karton – eine weggeworfene Schutzhülle, die in ihrer prekären Schräge zum potentiellen Unterschlupf wird. Zufall, Unfall oder materielle Meuterei ist der Anfang von Untitled (fallen curtain rail) (2015): als Skulptur kontextualisiert zitiert die Arbeit ein an den Minimalismus anklingendes visuelles Vokabular, konvertiert aber sein ideologisch aufgeladenes und zunehmend fragwürdiges Ideal künstlerischer Zwecklosigkeit in einen Zustand schlichter Disfunktionalität.
 
Die Materialien für Pauline Beaudemont’s Skulpturen Sit, Lay und Rest (2016) – Messing und Beton – stammen von industriellen Herstellern von Bauelementen. Die Arbeiten kommen als scheinbar utilitaristische Objekte daher, und verlassen sich auf die haptische Präsenz des fast unbearbeiteten Materials. Ihre Titel artikulieren Aufforderungen zu Momenten körperlich ausgesetzter Produktivität. Dieses scheinbare Angebot von „Downtime“ des modernistischen oder brutalistischen Bling-Mobiliars erlaubt jedoch keine wirkliche Entspannung, sondern höchstens einen Zustand von unbequemer Ruhelosigkeit für den potentiellen Nutzer. Die Arbeiten teilen mit einer Ästhetik der Moderne das Ideal von Resilienz gegenüber dem Schmutz des Realen und Sozialen, und den Drang, makellos zu bleiben.
 
Die Arbeiten der Ausstellung verharren in einem Zustand unbehaglicher Schlüpfrigkeit gegenüber ihren Bezügen zu einem modernistischen oder formalistischen Vokabular. Jenseits dieses Unbehagens scheinen es Akte grober Übersetzung (wie im Ausstellungstitel), von Verdauung oder Verzerrung zu sein, die sich als Werkzeuge für eine offene Form unter der Losung der Plastizität anbieten. 
 
Am Abend nach der Eröffnung widmete sich Molten Means im KW Institute for Contemporary Art dem Schmelzpunkt und der Morphologie: sowohl als Ritual als auch als Materialstudie bearbeiten die KünstlerInnen Tomek Baran, Pauline Beaudemont, Charlotte Herzig und Vanessa Safavi die Aggregatzustände von Metallen, Kunststoffen und Hochprozentigem. Mit Screenings von Filmen von Pauline Beaudemont, Alain Resnais und Richard Serra.

05.02.2016 19:00 Uhr
Molten Means

Molten Means im KW Institute for Contemporary Art widmet sich dem Schmelzpunkt und der Morphologie in einem kollektiven, projektiven Ritual.
Die KünstlerInnen Tomek Baran, Pauline Beaudemont, Charlotte Herzig und Vanessa Safavi bearbeiten die Aggregatzustände von Metallen, Legierungen und Hochprozentigem sowohl als Zeremoniell als auch als Materialstudie. Es geht um den Versuch, solider Materie aus ihrer Form zu verhelfen; um einen Zustand von Verflüssigung, um Form- und Gestaltlosigkeit. Gibt es Stoff ohne Form oder Form ohne Stoff? Im geschmolzenen Zustand bleibt alles offen: erst das erstarrte Gebilde lässt sich als Omen halluzinieren und begreifen. 
Mit Screenings von Filmen von Pauline Beaudemont, Alain Resnais und Richard Serra. 

Performance im Studiolo des KW Institute for Contemporary Art
Auguststr. 69, 10117 Berlin
Link




The act of taking shape calls for an arrest, a decision to settle on a moment of solidification. Arguably, in this coagulation, all that was looming enters into the determined state of the material, the aesthetic, or the discursive. Once a shape has formed, it is no longer something merely possible or utopian, but instead has become an object, or a symbol, or a commodity. How then is it conceivable to transform a thought into form without being trapped in it? 
 
While the works in the exhibition A pudding that endless screw agglomerates take place as discrete and finite objects, they are concerned with aspects and acts of transformation, mutation, and malleability. The artists Tomek Baran, Pauline Beaudemont and Nicolas Deshayes treat forms of interiorisation and externalisation as movements akin to digestion. They specifically make use of industrial and synthetic substances – among them brass, concrete, enamel, aluminium, and high-impact polystyrene – and although these objects offer especially resilient surfaces, their forms simultaneously appear as entrails, cavities and habitats.
 
The title of the exhibition is borrowed from a sketchy translation of a line from Alain Resnais‘ film Le chant du styrène (1958) which also lends its name to a work by Nicolas Deshayes. The Resnais film, with its voice-over of Alexandrian verses written by Oulipo-founder Raymond Queneau, is an ode to the ultra-modern industrial production of commercial plastic. 
 
DeshayesLe chant du styrène (2013), composed of four powder-coated steel poles and aluminium reliefs, appears as seemingly functional (infra-)structure as well as an obstacle within the gallery space. The reliefs, resembling parametric undulations or epidermic wrinkles, have been sand-cast from wire-cut polystyrene models. Burning out the crude oil synthetic with poured molten aluminium created the metal casts by way of burial and excavation. 
 
The embryonic lumps that snake across the generic surface of Deshayes’ Cramps (2015), a diptych of vacuum-formed polyurethane guts, are shrink-wrapped into a sickly sweet veneer. The material is a non-bio-degradable, seemingly anti-organic plastic, however it is processed from fossil fuels that have formed over many million years through the degeneration of prehistoric organisms. Vacuum-forming today serves as the standard process of industrial prototyping and a method for mechanical reproduction. In Cramps, Deshayes’ idiosyncratic physical gesture of drawing with foam has been petrified underneath their stretched sterile skin.
 
Tomek Baran’s works, too, play on the uncanny aspect of skin and the question of what lies beneath it. Volumes and edges protuberate from the flat canvases and dictate the distribution of colour on them, suggesting a formal imperative of literal shape rather than a rationale of the pictorial on the canvas plane. The paintings edge towards a status as spatial expanse or architectural structure. Baran uses industrial enamel, imbuing his paintings with a brilliance that doesn’t so much permit an immersive gaze as it reflects light and repels dust. 
 
The diptych #0a0a0a (2015) consists of two cardboard packaging elements – a discarded protective shell turned into a precarious stack or potential shelter. Chance, accident or material mutiny have forged Untitled (fallen curtain rail) (2015): contextualised as sculpture, the work cites the visual vocabulary of Minimalism while converting its ideologically charged and increasingly dubious ideal of aesthetic purposeless into a form of simple inoperability.
 
Pauline Beaudemont’s sculptures Sit, Lay, and Rest (all 2016) employ brass and concrete sourced from manufacturers of construction components, relying on the aesthetic seductiveness of the raw material while creating seemingly utilitarian objects. The works’ titles articulate corporeal imperatives that relate to intervals of arrested productivity. The apparent offering to accommodate “downtime” on the Modernist or Brutalist bling furniture doesn’t, however, facilitate relaxation, but would leave the potential sitter in a state of discomfort and restlessness. The material of this public furniture shares with Modernist aesthetics the ideal of resilience towards the grime of the real and the social. Both offer a merely anonymous and fleeting accommodation of human hosts and a desire to remain pristine.
 
The works in the exhibition remain in a condition of awkward slipperiness in relation to their references to a Modernist or Formalist vocabulary. Going beyond this discomfort, it seems as though acts of rough translations (as in the exhibition’s title), regurgitation and distortion suggest themselves as tools for open forms under the auspices of plasticity. 
 
One night after the opening, Molten Means at the KW Institute for Contemporary Art devotes itself to melting points and morphologies: the artists Tomek BaranPauline BeaudemontCharlotte Herzig and Vanessa Safavi juggle the aggregate states of metals, synthetics and hard liquors in the manner of a ritual as well as material study. With screenings of films by Pauline Beaudemont, Alain Resnais and Richard Serra.
 
05.02.2016 7 pm 
Molten Means

 
Molten Means at the KW Institute for Contemporary Art devotes itself to melting points and morphologies with an exercise in collective and projective molybdomancy.
The artists Tomek Baran, Pauline Beaudemont, Charlotte Herzig and Vanessa Safavi juggle the aggregate sta- tes of metals, alloys, and hard liquors in the manner of a ritual as well as material study. Join us in an attempt to imbue solid material with private energy, and in liquifying it, relieving it of its form. Can there be matter without form or form without matter? We aim to achieve molten states of formlessness and shapelessness, while glimp- sing the future present in moments of shock solidi cation. 
With screenings of lms by Pauline Beaudemont, Alain Resnais and Richard Serra. 
 
Performance at the Studiolo of the KW Institute for Contemporary Art
Auguststr. 69, 10117 Berlin
Link


Ausstellung mit freundlicher Unterstützung der Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung, des British Council Berlin und des Büros für Bildende Künste des Institut Français und des französischen Ministeriums für Kultur und Kommunikation.

 
 










 
 
 
 
Titelbild: John McCusker