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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Ausstellung

Von der Seite betrachtet ohne zu schielen. Unbekannte Kunst aus dem Nordosten

03-20.03.2017

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Kunstakademie Szczecin zu Gast
in Berlin

Kurator: Łukasz Jastrubczak

Ort: Polnisches Institut Berlin
Burgstraße  27, 10178 Berlin

Eröffnung: 03.03.2017 / 19:00
mit Konzert "& the romantic horse" von Ola Zielińska & Agnieszka Kucharska sowie einer Performance von Andrzej Mara

Im Jahr 2050 wird sich eine polnische Stadt, die sich vor dem Krieg noch innerhalb der Grenzen Deutschlands befand, vom Erdboden ablösen und langsam in die Oder, den zweitgrößten Fluss Polens, abdriften.* Ehedem waren in dieser Stadt moderne, progressive Tendenzen in der Kunst nicht vorhanden und das künstlerische Milieu war verschwindend klein. Vor dem Aufkommen neoliberaler Praktiken waren über 50% der Bevölkerung in der Industrie und im Bauwesen tätig. Die 90er-Jahre und die Privatisierung brachten für die einheimische Gemeinschaft dramatische Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur mit sich. Dies war eine Zeit, in der lokale kriminelle Gruppen herrschten, die hauptsächlich den Zigarettenschmuggel in den Westen organisierten. Nach dem endgültigen Untergang der Werft von Szczecin im Jahre 2009 sank die Anzahl der Bevölkerung, die in der Industrie beschäftigt war, auf weniger als 20%. Viele Menschen wanderten aus.
 
Unter diesen Umständen entsteht im Jahr 2010 die Kunsthochschule Szczecin. Innerhalb ihrer akademischen Struktur und auf Initiative von Kamil Kuskowski wird drei Jahre später die Abteilung für Malerei und Neue Medien ins Leben gerufen. Diese neu eröffnete wissenschaftliche Einrichtung lädt von Beginn an Künstler/innen und Theoretiker/innen zur Zusammenarbeit ein, die sich aktiv auf dem Gebiet der Gegenwartskunst in Polen betätigen. So bildet sich in Szczecin langsam eine Kunst-Community heraus. Seitdem entstehen Ausstellungsorte und es kommen Menschen aus anderen Städten Polens hierher, um an der neuen, ungewöhnlichen Fakultät zu studieren. Studierende beginnen zudem Ausstellung zu organisieren; gemeinsam mit den Lehrenden arbeiten sie am Aufbau eines spezifischen städtischen Gewebes. Mit ihren Aktionen wirken sie auf die Stadt ein - in Form von Ausstellungen an verlassenen, vernachlässigten Orten oder in Privathäusern. Zudem hat der spezifische, postindustrielle und periphere Charakter der Stadt Einfluss auf den Inhalt und die Form der hier realisierten künstlerischen Arbeiten, die oft kritische Züge tragen.
 
Im Jahr 2050 wird die künstlerische Tätigkeit und Reflexion der Stettiner StudentenInnen und DozentenInnen einen Wandel im ästhetischen Charakter der Stadt und im Bewusstsein seiner Bewohner/innen bewirken. Das von der Kunstakademie geschaffene Zentrum für Kreativgewerbe wird neue Tätigkeitsbereiche in der Film- und Fotobranche sowie in der Spieleindustrie generieren, wodurch zahlreiche neue Arbeitsplätze entstehen werden. Die Stadtverwaltung stellt Stipendien und Werkstätten für KünstlerIinnen bereit, sodass die Absolvent(inn)en der Akademie ihre kreative Energie nicht auf dem Kunstmarkt verbrauchen müssen. Ihr Werk ist dabei vollkommen unabhängig von der amtierenden Regierung und ihrer politischen Ausrichtung. Ihr künstlerisches Schaffen wird wachsam und empfindlich gegenüber der heterogenen Struktur der Gegenwart bleiben und sich dafür einsetzen, dass ein immer größerer Teil der Gesellschaft diese Wachsamkeit und Sensibilität weiterhin entwickelt und pflegt.

*Der Slogan, der die Stadt bewirbt, lautet: „Szczecin Floating Garden 2050“

Teilnehmende Künstler/innen: Piotr Bruch, Kinga Dalska, Małgorzata Goliszewska, Karolina Gołębiowska, Olena Janicka, Natalia Janus, Amanda Korol, Agnieszka Kucharska, Andrzej Mara, Horacy Muszyński, Tatiana Pancewicz, Marcin Papis, Uladzimir Paźniak, Monika Puchała, Artur Rozen, Mikołaj Tkacz, Wiktoria Walendzik, Konrad Wujciów, Ola Zielińska und Rafał Żarski

Info: www.szczecin.eu/de, www.akademiasztuki.eu, wminm.akademiasztuki.eu

Foto: Rafał Żarski, Fakes (Podróbki)