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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Film

Eine Liebe in Deutschland

12.10.2017 19:00

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Reihe „Bilder der Geschichte – Dialog über schwieriges Erinnern

R: Andrzej Wajda, D/FRA 1983, 102 min, dt. Fassung
 
anschl. Diskussion mit
Małgorzata Wosińska (Ethnologin mit Schwerpunkt Traumaforschung)

Eintritt: frei
 
Ort: Polnisches Institut, Burgstr. 27, 10178 Berlin

„Ich wollte den Film deswegen machen, weil in allen meinen vorherigen Produktionen – wie ‚Eine Generation’, ‚Kanal’ oder ‚Asche und Diamant’ die Deutschen stets die Rolle der lebenden Zielscheiben innehatten. Irgendjemand schoss auf sie, sie fielen um und das war’s. So wurden Deutsche normalerweise im polnischen Nachkriegskino dargestellt“, sagte Andrzej Wajda über die Genese zur Entstehung des Films „Eine Liebe in Deutschland” und fügte hinzu: „Ich wollte diesen Film machen, weil es eine Geschichte über die Deutschen außerhalb der Front ist, also nicht über solche, die wie wir sie in der Zeit der Besatzung sahen – bewaffnete, brutale Henker des polnischen Volkes. Es ging darum, wie die Deutschen sich bei sich zu Hause verhielten.“
 
Das Drehbuch, unter anderem mit Agnieszka Holland geschrieben, ist auf der Grundlage eines Buches von Rolf Hochhuth entstanden, welches wiederum auf wahren Begebenheiten beruht.
 
„Eine Liebe in Deutschland” ist die Geschichte einer verbotenen Liebe in einem kleinen bayrischen Städtchen in Zeiten des Krieges. Pauline (Hanna Schygulla), deren Mann an der Front kämpft, beginnt eine Affäre mit einem Polen, der dort zur Zwangsarbeit verordnet wurde. Leidenschaft und aufkochende Gefühle kommen zum Vorschein, die allgemeine Empörung und einen Skandal hervorrufen, und sorgen dafür, dass die zuvor ruhig gebliebenen Bewohner nun ihr zweites, hasserfülltes Gesicht zeigen.
 
Obwohl Andrzej Wajda mit dem endgültigen Ergebnis selbst nicht zufrieden war und meinte, dass es ihm nicht sonderlich gelungen sei, echte Lebenswelten in einem kleinen deutschen Städtchen in der Kriegszeit zu rekonstruieren, erkannte jedoch Volker Schlöndorff die Vision des polnischen Regisseurs als ausgezeichnete Diagnose des Problems der „Reinheit deutscher Dörfer”.
 
Die Größe Andrzej Wajdas bestand darin, dass seine Filme universell und zeitlos waren. Ist das bei „Eine Liebe in Deutschland“ auch der Fall? Können wir uns heute, nach 35 Jahren immer noch über die Haltungen von Gesellschaften Gedanken machen, zu denen andere gekommen sind? 
 
In Kooperation mit dem Witold-Pilecki-Zentrum für Totalitarismusforschung
 
Info: obnt.pl/en
 




Zur Filmreihe:
 
Viele Historiker sind der Meinung, dass das Kino nicht im Stande ist, die vergangene Realität darzustellen. Paradoxerweise bezieht die heutige Gesellschaft ihr Wissen allerdings nicht aus Archiven, Dokumenten, Büchern und dem Geschichtsunterricht, sondern aus Filmbildern. Oft sind es nicht ganze Filme, die ins Gedächtnis einer Gemeinschaft eindringen, sondern konkrete, symbolische Szenen. Diese bleiben in den Köpfen der Zuschauer, weil sie stärkste Emotionen hervorrufen. Jede Gesellschaft denkt in solchen „Bildern der Geschichte“, die lägst nicht nur Fragmente einer größeren Erzählung sind, sondern zu eigenständigen Kulturikonen voll vielschichtiger Bedeutungen wurden, die das historische Bewusstsein der Gesellschaft prägen.
 
„Geschichte ist immer die Geschichte der Gegenwart“, sagte der italienische Philosoph und Historiker Benedetto Croce. Jeder Kunstschaffende, der die historische Realität darstellt, versucht die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf ein konkretes Problem der Gegenwart zu lenken. Das Publikum kann die erzählte Geschichte nur wirklich erleben, wenn es sich mit ihr identifizieren kann. Dies ist wiederum möglich, wenn der Zuschauer die erzählte Geschichte versteht und einen Teil von sich selbst in der gezeigten Welt (sowie im Protagonisten) wiedererkennen kann. Dem Filmemacher bleibt also nichts anderes übrig als sich an den Begriffsapparat des Zuschauers, seiner Sprache, Kultur, seinen Erfahrungen und seiner historischen Last anzupassen. Dieses Wissen hilft auch den in den Filmbildern eingeschrieben Inhalt herauszulesen.
 
In der Filmreihe „Bilder der Geschichte – Dialog über schwieriges Erinnern“ finden wir großartige polnische Filme der vergangenen sechzig Jahre. Der Jahre eines schwierigen Kampfes gegen den nationalsozialistischen und kommunistischen Totalitarismus. Der Kriegsjahre und dem aus ihnen folgendem halben Jahrhundert. In diesen Filmen sind wir in der Lage den wechselnden „Erinnerungscode“ der Polen herauszulesen: Wer waren sie damals und wer sind sie heute? Was hat sie die Jahre über geprägt? Welche Ängste, Sorgen und Freuden hatten sie? Welche Gründe gab es für Scham, Verzweiflung oder Stolz? Wie haben sie sich selbst gesehen? Wie haben sie die Völker gesehen, mit denen sie in diesem Teil der Welt koexistieren? Zum Beispiel die Deutschen, Juden, Russen und Ukrainer ...
 
Mit Sicherheit wird die Filmreihe „Bilder der Geschichte – Dialog über schwieriges Erinnern“ nicht alle Quellen, nicht alle Kontexte und nicht alle Mechanismen aufzeigen können, welche die Weltanschauungen und Einstellungen der heutigen Polen prägen, aber vielleicht wird sie dazu beitragen, das heutige Polen und die Denkweise der Bürger kennenzulernen und zu verstehen.
 
Die Begegnungen bei der Filmreihe „Bilder der Geschichte – Dialog über schwieriges Erinnern“ bestehen aus zwei Teilen: der Filmvorführung und der anschließenden Diskussion mit Filmemachern, Historikern und anderen Experten sowie natürlich dem Publikum.
 
Diese Auseinandersetzung der Wissenschaft und Kunst, wie auch die Suche nach der Antwort auf die allem vorhergehende Frage: „War es wirklich so, wie wir es im Film gesehen haben?“ scheinen ein interessanter Ausgangspunkt zu sein, um zu weiteren Überlegungen und Schlussfolgerungen zu gelangen.
 
Wojciech Saramonowicz (Kurator der Filmreihe, Witold-Pilecki-Zentrum für Totalitarismusforschung)