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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Musik

#KlangContraCorona 2

16.03 - 30.06.2020

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Musikalische Leckerbissen auf Facebook und auf der Homepage (Teil 36 ff.)

Teil 1–35: HIER

So lange das Coronavirus alle Veranstaltungen verhindert, versorgen wir euch digital mit musikalischen Leckerbissen aus Polen.

Inhalt:

1–35 / >> #KlangContraCorona 1
36 / AbraDab
37 / Behemoth
38 / Mela Koteluk
39 / Sond'n'Grace
40 / Mikromusic
41 / Enchanted Hunters
42 / Południce
43 / Quebonafide
44 / Coals
45 / Niemoc
46 / MIN t
47 / Laboratorium Pieśni
48 / Daria Zawiałow
49 / Sarsa
50 / Kortez
51 / PlanBe
52 / RYSY
53 / Na Górze
54 / Psio Crew
55 / Akurat
56 / Myslovitz / Artur Rojek
57 / L.U.C.



36 / 20.04.2020
ABRADAB
Der junge Herr namens Marcin Marten, Baujahr 1978,  ist erheblich bekannter unter dem Namen AbraDab. Frühen Ruhm brachte ihm Gruppe Kaliber 44, die er 1994 mit aus der Taufe hob. Seit deren Ende Anfang der Nullerjahre wandelt er erfolgreich auf Solopfaden und widmet sich – der Kübstlername lässt es vermuten – nicht nur dem reinen HipHop, sondern nimmt auch Elemente aus Reggae, Dub, Funk und Dancehall mit auf. Diverse Kooperationen mit Musikern wie Maciej Maleńczuk, Wojciech Waglewski, L.U.C. oder O.S.T.R. erweiterten sein musikalisches Spektrum. Sein Solo-Debüt „Czerwony album“ (2002) und im speziellen sein Hit „Rapowe ziarno 2 (Szyderap)“ hatte für die polnische Dancehall-Szene ähnlich durchschlagende Wirkung wie die frühen Werke von Seeed für die deutsche.
>> www.abradab.pl



37 / 21.04.2020
BEHEMOTH
Dass man in Polen auch mit ruppigen Klängen richtig groß werden kann, bewiesen schon TSA und Kat in den Achtzigern oder Vader in den Neunzigern. Und jetzt? Sind die unangefochtenen Marktführer und größter Exportschlager in diesem Gebiet zweifelsohne die Düsterheimer von Behemoth. Was sich anfangs in den frühen Neunzigern noch recht dilettantisch und teilweise sogar auf Polnisch am Black Metal norwegischer Prägung versuchte, wuchs langsam und kontinuierlich zu einer Death- & Dark-Metal-Truppe heran, die inzwischen Fans auf der ganzen Welt versammelt und auf ihren Alben verlässlich Qualitätsware abliefert. Vor allem live aber sucht die dunkle Atmosphäre, welche von der Bühne kriecht, ihresgleichen. Sänger und Bandleader Nergal (bürgerlich Adam Darski) gehört außerdem in Polen sogar zu den Mainstream-Celebrities, was nicht zuletzt an einer kurzen Beziehung mit dem Pop-Sternchen Doda und einer überstandenen Leukämie liegt.
>> behemoth.pl

 

38 / 22.04.2020
MELA KOTELUK
Mela Koteluk heißt eigentlich Malwina Koteluk und geht von Anfang an unbeirrbar ihre eigenen musikalischen Wege – und zwar allein und ohne den Boost einer TV-Talentshow. Lieber werkelte sie lange Zeit konzentriert an ihrem entsprechend spät (mit 27 Jahren) erschienenen Debütalbum, das schnell die Herzen von Publikum und Kritikern eroberte. In ihrer Musik verbindet sie Rock und Pop mit Elektronik und auch ihre Stimme ist einzigartig – mitunter wird ihr Gesangstalent mit dem von Kasia Nosowska (Hey) verglichen. Ihr jüngstes Album „Migawka“ (Schnappschuss, 2018) zeigt Mut zum Experiment – es greift diverse Naturklänge auf und wurde mit einer Frequenz von 432 Hertz aufgenommen, die auch in der Natur häufig vorkommt.


 
39 / 23.04.2020
SOUND'N'GRACE
Die Vokalgruppe Sound’n’grace hat ihre Wurzeln im Contemporary Gospel und kombiniert diesen geschickt mit Funk, Soul, Jazz, R’n’B und groovigen Klängen kombiniert. Anfangs hatte die Gruppe nur zwei Mitglieder und wuchs dann sukzessive auf über 20 Sängerinnen und Sänger an. Der Durchbruch kam für sie mit der TV-Show „Mam talent“, durch die ihre Karriere enorm Fahrt aufnahm. Leider liegt der moderne Chor momentan mit seiner Plattenfirma im Clinch, weshalb die meisten der Lieder (bei denen auch Instrumente mitspielen dürfen) nicht im Internet zu finden sind. Immerhin gibt es ein englischsprachiges Stück, welches der Chor zum Kino-Kassenknüller „@Listy do M 2“ beisteuerten.
 


40 / 24.04.2020
MIKROMUSIC
Sie selbst bezeichnen ihre Musik als "Avant-Art-Pop", obwohl sie ursprünglich vom Trip Hop und Jazz auch nicht weit entfernt waren. Was Mikromusic aber so besonders macht, ist die unverwechselbare Stimme von Natalia Grosiak, welche die Fans sirenenhaft in ihren Bann zieht. Die Lieder sind tendenziell ruhig, leicht, oft sommerlich angehaucht und konzentrieren sich auf Melodien und Arrangements, weshalb die Band auch weniger auf Airplay im Radio schielt und ihr Publikum lieber im Internet sucht. Auch wenn die Songs kein Hit-Potenzial für die breite Masse haben, finden sie seit vielen Jahren konstant ihre Anhänger. Hören und sehen kann man die Band übrigens auch im Film „Chemia / Chemo“ von Bartosz Prokopowicz, wo sie nicht nur Lieder beisteuerten, sondern direkt in die Handlung eingebaut wurden.


 

41 / 25.04.2020
ENCHANTED HUNTERS
Ein Hauch von Magie schwebt über der Musik von Enchanted Hunters, wenn Małgorzata Penkalla und Magdalena Gajdzica sowie ihr Quoten-Mitmusiker Patryk Zieliniewicz ihre entrückten, aus einer anderen Realitätsebene zu stammen scheinenden Lieder spielen. Wenig an ihren Stücken weist auf ihr Herkunftsland Polen hin, denn sie schweben schubladentechnisch eher irgendwo zwischen Irland, Island und Nordamerika als an der Weichsel. Allerdings trauen sie sich nach anfänglich englischen Stücken zunehmend auch Texte in ihrer Muttersprache zu. Das Indie-Trio aus Gdańsk verbindet akustische Instrumente (auch Pop-ferne wie Geige und Flöte) mit sanfter, unaufdringlicher Elektronik, singt dazu elfengleich und schafft so akustische Miniaturen, die eher nach Soundtrack als nach Chart-Hit klingen. Kein Wunder, dass sie im sommerlich-magisch flirrenden Film „Małe stłuczki / Little Crushes“ nachts im Wald unter Stehlampen auftreten durften.



42 / 26.04.2020
POŁUDNICE
Polen ist reich an musikalischer Tradition und kann sich nicht über einen Mangel an Nachwuchs beklagen, der dieses Erbe pflegt und immer wieder auf Augenhöhe mit der Gegenwart bringt. Erstaunlicherweise ist aber die Anzahl der Bands und Projekte überschaubar, welche scheulos historisches Erbe mit Clubsounds mixen. Definitiv zu den originelleren Vertretern gehören Południce (Mittagsfrauen) aus Białystok – ein sechsköpfiger Hobby-Frauenchor, der mit der für das östliche Europa typischen „weißen Stimme“ singt und normalerweise auf Hochzeiten und Geburtstagen polnische, belarussische und Ukrainische Volkslieder zum Besten gibt. Ihre Gesänge ließen sie für das Album/Projekt „Elektronice“ (2012) von DJs in clubtaugliche, gerne auch herbe Eletronics verpacken. Das Ergebnis ist so einmalig wie einzigartig.



43 / 27.04.2020
QUEBONAFIDE
Quebonafide, laut Geburtsurkunde Jakub Grabowski, beschallt seit 2008 die Clubs und Hallen Polens. Seine ersten Schritte machte er mit dem Duett Yochimu und schloss sich einige Jahre später unter dem Namen Taconafide mit Taco Hemingway (vgl. Teil 21) zusammen, ist inzwischen aber meistens solo anzutreffen. Sein aktuelles Album „Romantic Psycho“ erschien dieses Jahr und sorgte für massive Irritationen unter den Fans, weil Quebonafide sein Image radikal vom zutätowierten Gangsta-Rapper zum lieben Jungen von nebenan umgebaut hatte. Auch die Platte selbst war anfangs für viele eine herbe Enttäuschung – was sich kurz nach der Veröffentlichung als Absicht entpuppte, weil dann das „richtige“ Album „Romantic Psycho (Japan Edition)“ erschien.



44 / 28.04.2020
COALS
Coals, also „Kohlestücke“, das sind die nostalgischen Twens Kacha Kowalczyk und Łukasz Rozmysłowski. Sie kommen aus Schlesien, was sie in ihren Stücken immer wieder anklingen lassen. Erstmals erregten sie 2014 Aufmerksamkeit, als sie noch reichlich amateurhafte Aufnahmen im Netz veröffentlichten. Ihr Debüt-Album „Tamagotchi“ (2017) besiegelte ihren Erfolg in der polnischen Indie-Szene, ihr Stil ist ein Gemisch aus diversen akustischen und visuellen Einflüssen – prägnant ist der melancholisch-verträumte Einsatz von Elektronik, der sich mit zarten weiblichen Vocals paart. Optisch lassen sie immer wieder die Ästhetik der Neunzigerjahre durchschimmern, die Retro-Optik gibt dem Ganzen einen Hauch von Nostalgie. Das nach wie vor plakativ Imperfekte, Unprofessionelle kommt bei Coals sehr ehrlich und authentisch rüber und lässt sie aus der großen Masse von Gruppen in der polnischen Alternative-Szene herausstechen.



45 / 29.04.2020
NIEMOC
Das Elektro-Gitarren-Trio Niemoc (Erschöpfung) aus Zielona Góra verbindet raffiniert eine exotische, traumhafte Atmosphäre mit spürbaren Einflüssen aus New Wave und Post Punk. Michał Drozda, Radek Reguła und Filip Awłas spielen zwar erst seit einigen Jahren zusammen, mischten mit ihren Sounds aber die polnische Alternative-Szene schon gehörig auf und durften damit nicht nur einheimische Festivals, sondern auch das legendäre Sziget-Festival beschallen. Ihre tanzbaren Instrumentals funktionieren bei Live-Konzerten ebenso gut wie auf der Tanzfläche. Auch visuell sind Niemoc tief in den Achtzigern verwurzelt und bedienen sich bei der Ästhetik semiprofessioneller Low-Budget-Videoclips aus dieser Zeit, versetzt mit Vaporwave-Elementen. Ihre Musik mit hohem Wiedererkennungswert kann man nicht nur gelegentlich live in den Clubs Boiler Room oder Sofar hören, sondern auch im Soundtrack zu AXN-Serie „Ultraviolet“.



46 / 30.04.2020
MIN T
MIN t (eigentlich Martyna Kubicz) ist eine echte Selfmade-Woman – sie komponiert, produziert, singt und spielt auch ihre Instrumente selbst. Ursprünglich kommt sie aus Wrocław, entfaltet sich aber derzeit künstlerisch primär in Berlin. In ihrer Musik mischt sie experimentellen Neo-Soul mit Anleihen aus R&B, Hiphop und elektronischen Clubsounds. Die kontrastreiche Kombination aus ihren Eigenkompositionen und ihrer ungewöhnlich ausdrucksvollen Stimme entfaltet sich am besten bei ihren Live-Konzerten, aber auch ihr Debütalbum „Assemblage“ (2017) liefert einen guten Vorgeschmack. Man kann sie übrigens regelmäßig in polnischen und Berliner Clubs hören – die deutsche Hauptstadt hat auch in ihrem Clip zum Track „Down/On“ ihre Spuren hinterlassen.



47 / 01.05.2020
LABORATORIUM PIEŚNI
Laboratorium Pieśni aus der nordpolnischen „Dreistadt“ Gdańsk/Sopot/Gdynia sind eine Ausnahmeerscheinung. Grob kann man die singenden Frauen in die Schublade „Ethno/World Music/Roots“ stecken, denn sie arrangieren traditionelle mehrstimmige Gesänge neu, die sie vor allem in der slawischen und balkanischen Musiktradition finden – in der polnischen, ukrainischen, bulgarischen, belarussischen, serbischen, albanischen und bosnischen. Hinzu kommen georgische, skandinavische und okzitanische Melodien. Diese „Lieder der Welt“ führen sie sowohl a cappella als auch in Begleitung von schamanischem Schlagwerk und anderen volkstümlichen Instrumenten auf und schaffen in ihren Arrangements auch Raum für Improvisation. Dabei lassen sie sich von Klängen der Natur inspirieren – sehr ungezähmt, sehr weiblich. So findet ein Hauch slawischer Mystik, Geistlichkeit und Metaphysik in die Musik von Laboratorium Pieśni. Das versteht man intuitiv nicht nur in Polen, sondern zunehmend auch im Ausland – Klänge aus der ganzen Welt für die ganze Welt!

48 / 02.05.2020
DARIA ZAWIAŁOW
Daria Zawiałow aus Koszalin ist ein wahres Multitalent – sie kann singen, texten und komponieren. Ihr Können bewies sie bisher auf den beiden ähnlich erfolgreichen Alben „A kysz!“ (2017) und „Helsinki“ (2019). Vor allem ihre zweite Platte überraschte die Hörerschaft, da sie stilistisch hörbar im Fahrwasser der Achtzigerjahre schipperte. In Kombination mit ihrer meist dezent eingesetzten Stimme entsteht eine spannende Fusion aus Retro-Disco-Sounds und einem Hauch von Jugend.
>> www.facebook.com/dariazawialow



49 / 03.05.2020
SARSA
Sarsa heißt eigentlich Marta Markiewicz, kommt aus Słupsk, ist Jahrgang 1989 und machte ein breiteres Publikum durch die TV-Castingshow „The Voice of Poland“ auf sich aufmerksam, obwohl sie schon vorher in diversen weniger bekannten Band musikalisch aktiv war. Sie ist ein Allround-Talent – sie singt, textet und komponiert selbst, wobei ihr mit Sicherheit behilflich ist, dass sie Klavier, Ukulele und Gitarre spielt. Ihre Songs sind irgendwo im Bereich Indie-Pop/Alternative angesiedelt, für einen hohen Wiedererkennungswert sorgt aber ebenso ihre auffällige Hörnchen-Frisur – wie man auch in ihren Videoclips sehen kann.
 

50 / 04.05.2020
KORTEZ
Hinter dem Pseudonym Kortez verbirgt sich Łukasz Federkiewicz (geb. 1989) aus Krosno. Auch wenn er seine Stücke selten selbst schreibt, zeichnen sie sich immer wieder durch die große Sorgfalt aus, mit der trotz einfacher Mittel große Gefühle transportiert werden. Kortez ist zwar professionell ausgebildeter Musiker, hatte aber lange mit Musik als Lebensunterhalt nicht viel am Hut. Seine ersten Stücke veröffentlichte er 2015 und landete mit „Zostań“ (Bleib) gleich einen großen Hit. Darin verarbeitete er die Worte seines Sohnes, der ihn anflehte, lieber zu Hause zu bleiben, statt nach Warschau zur Arbeit zu fahren. Inzwischen hat er drei Alben auf dem Konto, die allesamt sehr erfolgreich waren. In „Hey wy“ (Hey ihr) wirft er hingegen einen melancholischen Blick in die Vergangenheit.
 

51 / 06.05.2020
PLANBE
Hinter dem Pseudonym PlanBe verbirgt sich der Rapper Bartosz Krupa aus Tomaszów Lubelski. Seine Karriere begann 2012 mit dem Track „Styl (Spontan)“, in dem er u.a. Versatzstücke von Justin Timberlake verarbeitete. Wer dadurch Lust auf mehr bekommen hatte, musste sich aber noch lange in Geduld üben – erst satte fünf Jahre später erschien sein Debütalbum „Insomnia“ und erreichte prompt Goldstatus. Der aktuelle Lonplayer „MODA“ (Mode) kam 2019 bei QueQuality heraus – das Label gehört dem Musiker Quebonafide (vgl. Teil 43), mit dem PlanBe auch musikalisch zusammenarbeitet.



52 / 09.05.2020
RYSY
Das Warschauer Produzentenduo RYSY setzt sich aus Wojtek Urbański und Łukasz Stachurko zusammen und bewegt sich im Grenzbereich von alternativer Elektronik und Pop, angereichert durch Melodien mit Wiedererkennungswert, melancholischen Vocals und reichlich Bass. 2015 betraten sie mit ihrem Track „Ego“ (gesungen von Justyna Święs / The Dumplings – vgl. Teil 31) die musikalische Bühne. Schon kurz darauf folgte das Debütalbum „Traveler“ beim Indie-Label U Know Me Records, das die alternative Musikszene Polens im Sturm eroberte. Warum? Vermutlich, weil die Newcomer zwar frische Energie und neue Ideen mitbrachten, aber dabei hochprofessionell auftraten – beide hatten vorher schon in anderen Projekten mitgewirkt. Außerdem konnten sie immer wieder namhafte Mitstreiter wie Baasch für ihre Projekte gewinnen. Allerdings verkündeten sie schon zwei Jahre später, nach diversen Auftritten auch auf großen Festivalbühnen, ihre Auflösung mit den Worten: „Wir haben RYSY nicht gegründet, um die Grenzen des Machbaren auszutesten. Dieses Projekt ist entstanden, weil wir es lieben, Musik zu schreiben und zu spielen. Deshalb wollen wir es nicht bis an die Grenzen des Möglichen ausreizen, sondern etwas hinterlassen, an das wir uns gerne erinnern. Und voranschreiten“

53 / 11.05.2020
NA GÓRZE
Na Górze aus Rzadkowo wären vermutlich eine Rockband unter vielen, wenn es ihnen einzig und allein um Musik ginge. Aber die Gruppe hat das besondere Etwas, das sie aus der Masse heraushebt – sie engagiert sich bereits seit 1994 für ein solidarisches Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung, und das nicht nur in der Theorie. Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen spielen und singen auf inzwischen sechs Alben (zuletzt „Szczerość“ [Ehrlichkeit], 2018) als integraler Bestandteil der Band mit und das Anderssein schlägt sich immer wieder auch in den Texten nieder. Aber das Projekt ist weder eine Therapiesitzung noch eine Lehrstunde mit erhobenem Zeigefinger. Vor allem soll das gemeinsame Krachmachen Spaß bereiten – den Musikern und den Zuhörern. Den Spaß hatten auch Bands und Künstler wie Luxtorpeda, Arka Noego, Grabaż, Czesław Mozil oder 2TM2,3, mit denen Na Górze gemeinsam auftraten.
 

54 / 13.05.2020
PSIO CREW
Folklore-Kapellen gibt es in Polen wie Sand am Meer und doch ist jede ein bisschen anders – und das nicht nur, weil sich die meisten der ganz speziellen Tradition ihrer Region verschrieben haben, sondern weil viele von ihnen frech und fröhlich andere musikalische Einflüsse mit historischem Liedgut vermischen. Besonders scheuklappenfrei gehen dabei Psio Crew aus Bielsko-Biała zu Werke. Sie singen seit 2004 in Mundart, tragen Góralen-Kleidung und spielen volkstümliche Instrumente, haben aber mit Gooral von Beginn an auch einen DJ im Line-Up und können so hemmungslos Volkslieder in Club-Tracks verwandeln, die Freunden von Drum’n’Bass, Dub, Hiphop und Trip Hop das Herz höher schlagen lassen. Bis jetzt steht zwar nur ein Album („Szumi Jawor SoundSystem“, 2007) in den Regalen, die Truppe ist aber nach zwischenzeitlicher Pause wieder aktiv und vor allem live eine Macht.
 

55 / 16.05.2020
Reggae und Ska haben viele Gesichter und sind in Polen spätestens seit den Achtzigerjahren ungebrochen populär – sowohl als Spaßmusik als auch als Transportmittel für ernsthaftere, engagierte Inhalte. In die zweite Kategorie fallen Akurat aus Bielsko-Biała, die seit 1994 karibische Rhythmen mit Rock, Pop und Punk kreuzen. Richtig groß sind sie damit nie geworden, haben aber eine treue Fangemeinde, die inzwischen sieben Studioalben (zuletzt „Prowincja“, 2019) im Schrank hat. Woran das liegen mag? Neben eingängigen Melodien mit Sicherheit auch an den wortspielreichen Texten des Gitarristen Piotr Wróbel, die durchaus poetische Qualitäten haben und über einen Tiefgang verfügen, der gerade im Ska nicht immer selbstverständlich ist.
 
 
***
 
56 / 18.05.2020
Obwohl Myslovitz aus Mysłowice (der Name entstammt angeblich einem alten deutschen Ofen) ihren poppigen Alternative-Rock bereits seit 1992 spielen, kam ihr großer Durchbruch erst um die Jahrtausendwende. Ihr viertes Album „Miłość w czasach popkultury“ (Liebe in Zeiten der Popkultur, 1999) mit melancholischen Klassikern in der Schnittmenge aus REM und Radiohead wie „Chłopcy“ (Jungs) und „Długość dźwięku samotności“ (Die Länge des Klangs der Einsamkeit) stürmte die Hitparaden und wuchs zu einem Klassiker, der bis heute Kultstatus hat. An diesen Erfolg konnte die Gruppe mit ihren folgenden fünf Platten (zuletzt „1.577“, 2013) nicht wieder anknüpfen. Auch der Versuch, mit einer englischen Version ihres Albums „Korova Milky Bar“ (2003) den internationalen (auch den deutschen) Markt zu knacken, war nicht sonderlich durchschlagend, so dass die Band letztendlich 2012 zerfiel – die Musiker machten mit neuen Sängern weiter, während Vokalist Artur Rojek eine äußerst erfolgreiche Solo-Karriere startete und mit dem Off Festival in Katowice eine kuratorische Spielwiese fand, die sich seit 2006 zum essenziellen Hotspot für die polnische und Europäische Indie-Szene entwickelte. Im März erschien bei Kayax sein zweites Album „Kundel“ (Straßenköter, 2020).
 

57 / 20.05.2020
L.U.C.
Im Ausweis von L.U.C. aus Wrocław steht eigentlich Łukasz Rostowski, geboren 1981 in Zielona Góra. Plattentitel wie „Haelucenogenoklektyzm“ (2006) oder „PyyKyCyKyTyPff“ (2010) lassen bereits vermuten, dass der Beatboxer, Rapper und Produzent etwas von der Norm abweicht. Auf bereits elf Alben, auf denen zum Teil kein einziges Instrument zu hören ist, zeigt der Mann mit Uni-Abschluss, dass er erheblich mehr auf dem Kasten hat als die klassischen Hiphop-Klischees mit Goldkettchen, Joints und dicken Autos. Ausgehend von einer Rap-Basis Basis erfindet er sich und seine Musik immer wieder neu, kombiniert entlegenste Stile miteinander und verpackt sie in ein multimediales Gewand aus Filmen, Comics, Literatur, Hörspielen und Street Art. Nebenher organisiert der Hansdampf in allen Gassen noch Happenings und Festivals, 2016 hob er schließlich mit dem „Rebel Babel Ensemble“ seine eigenes internationales Orchester aus der Taufe. Folglich sind es beiweitem nicht nur Hiphopper, die mit L.U.C. ins Studio und auf die Bühne gehen – Zbigniew Namysłowski, Michał Urbaniak, Rahim, Fokus, Leszek Możdżer, Maria Peszek, Urszula Dudziak, Andrzej Smolik oder das Motion Trio vertreten extrem unterschiedliche Stilrichtungen von Jazz bis Pop.