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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Film

filmPOLSKA@home

30.04 - 06.05.2020

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Die Festivalwoche im Home Office

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Das polnische Filmfestival filmPOLSKA in Berlin feiert in diesem Jahr seinen 15. Geburtstag. Doch auch das Fest des polnischen Kinos musste sich dem Lockdown fügen und kann nicht zum angestammten Termin Anfang Mai stattfinden. Während die Reihe „filmPOLSKA in Quarantäne“ bereits seit Anfang April polnische Leinwandkunst vorstellt, soll nun zum ursprünglichen Festival-Termin unter dem Titel „filmPOLSKA@home“ für eine Woche das Filmfest selbst zum Thema werden – seine Vergangenheit, seine Gegenwart und seine Zukunft. Film ab!

30.04. / Tag 1 – Festivaleröffnung
01.05. / Tag 2 – Das Konzert
02.05. / Tag 3 – Die Retrospektive
03.05. / Tag 4 – Kamerakunst
04.05. / Tag 5 – Der Workshop
05.05. / Tag 6 – Die Kinos
06.05. / Tag 7 – Der Wettbewerb





30.04.2020
Tag 1 – Festivaleröffnung
Corpus Christi

Die Eröffnung des Festivals filmPOLSKA war immer etwas Besonderes – nicht nur wegen des Eröffnungsfilms, der vielen prominenten Gäste, Redner und der Preisverleihung für Verdienste um die Förderung und Verbreitung des polnischen Kinos. Dieser Tag war auch ein Fest der Teamarbeit, in der mehrere Monate lang das Festival vorbereitet wurde. Die Energie, die Freude und der kreative Stress, die schon Tage vorher das Polnischen Institut zusätzlich belebten, bleiben unvergesslich.
 
Das Festivalprogramm war stets ein Werk mehrmonatiger penibler Arbeit, die Festivalgäste waren ein buntes Spektrum der polnischen Kinolandschaft und die Kooperationspartner ein erlesener Kreis aus engagierten Kinos und (nicht nur Berliner) Kulturinstitutionen. Das diesjährige 15. Jubiläumsfestival sollte eigentlich heute in der Berliner Akademie der Künste mit der Deutschland-Premiere des Oscar™-nominierten Dramas „Boże Ciało / Corpus Christi“ von Jan Komasa feierlich eröffnet werden.
 
Jan Komasa: Boże Ciało / Corpus Christi (Trailer, OmeU)
 
Interview mit Regisseur Jan Komasa und Hauptdarsteller Bartosz Bielenia (engl.)
 
Es ist anders gekommen, als wir uns das vorgestellt hatten. Der Mensch übt sich wieder in Demut und sucht nach seinem verlorenen Platz in der Ordnung der Dinge und der Natur.
 
In den letzten fünfzehn Jahren standen uns immer treue Partner zur Seite: das Arsenal – Institut für Film und Videokunst, das Deutsche Historische Museum und die Topographie des Terrors sowie zahlreiche Kinos wie das FSK, das Bundesplatz-Kino, das Wolf, den Filmclub K18 und und und … Diese Kinos sind jetzt menschenleer und ihre Betreiber kämpfen ums finanzielle Überleben. An dieser Stelle ist es uns ein tiefes Bedürfnis, uns bei ihnen für ihre jahrelange Treue und Professionalität zu bedanken. Auch vor unseren zahlreichen Unterstützern möchten wir uns in Dankbarkeit für ihr Verrauen und ihre finanzielle Unterstützung verbeugen. Dieser Dank geht vor allem an das Polnisches Filminstitut, das Adam-Mickiewicz-Institut und die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.
 
Wir alle hoffen, dass filmPOLSKA in absehbarer Zukunft wieder seine Pforten für das Publikum öffnen und das Leben der Stadt mit polnischer Kinokunst bereichern wird. 
 
Kurator Kornel Miglus und das filmPOLSKA-Team



01.05.2020
Tag 2 – Das Konzert
Panieneczki

Die obligatorische filmPOLSKA-Party war jedes Jahr ein wahres Fest der Musik. Für das Team des Polnischen Instituts war dieser Abend das sprichwörtliches Tüpfelchen auf dem „i“. Der aufreibende Eröffnungsabend lag hinter uns, die Kinos hatten das Festivalprogramm gestartet, nach 14 Jahren Orga-Erfahrung fühlten wir uns gegen sämtliche Katastrophen gewappnet – die filmPOLSKA-Maschine lief auf Hochtouren. Leider muss heute auch der Roadrunners Club, wo jährlich das Konzert und die Party stattfanden, geschlossen bleiben. Wir möchten hier stattdessen die Festival-Fans an einige Künstlerinnen erinnern, welche die Party mit ihrer Musik bereichert haben:
 
Julia Marcell: Matrioszka
>> www.juliamarcell.com, culture.pl/en/artist/julia-marcell
 
Mary Komasa: Degenerate Love
>> www.warnermusic.de/mary-komasa, culture.pl/en/artist/mary-komasa
 
Ballady i Romanse: Przyszłam do miasta (aus dem Soundtrack zu „Córki dancingu / The Lure“)
>> www.facebook.com/balladyiromanse, culture.pl/en/artist/ballady-i-romanse
 
Zamilska: Duel 35
>> zamilskaofficial.bandcamp.com, culture.pl/en/artist/zamilska
 
Für die 15. filmPOLSKA-Ausgabe hatten wir die Neofolk-Gruppe „Panieneczki“ nach Berlin eingeladen. Das schier unglaubliche Quartett aus Anita Sobiechowska (Kontrabass, Bassgitarre, Synthesizer), Irena Filuś (Violine & Gesang), Joanna Glubiak (Schlagzeug) und Kate Nürnberg (Tasteninstrumente) hätte uns mit Sicherheit die Laune aufgemöbelt, Energiereserven aktiviert sowie unsere und eure Füße zum Tanzen gebracht. Egal, dann tanzen wir eben zu Hause:
 
Panieneczki – Live-Session für Muzo.fm
>> www.facebook.com/panieneczki, preview.mailerlite.com/i7u3z3

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02.05.2020
Tag 3 – Retrospektive
Wojciech Jerzy Has: Ein schillernder Solitär
 
Die diesjährige Werkschau vom filmPOLSKA sollte sich dem Regisseur Wojciech Jerzy Has (1925–2000) widmen. In Zusammenarbeit mit der Kinemathek des Deutschen Historischen Museums hatten wir acht seiner Filme ausgewählt. Den Einführungstext dazu schrieb Margarete Wach, die 2019 für ihr wissenschaftlichen Einsatz für die polnische Filmkunst in Deutschland mit dem filmPOLSKA-Award ausgezeichnet wurde. Wir hoffen, in absehbarer Zeit dieses wunderbare Programm auf der großen Leinwand präsentieren zu können:
 
„Wie eine Phantasmagorie zwischen Erinnerung und Beschwörung nimmt sich das schlafwandlerische Opus „Sanatorium pod klepsydrą / The Hourglass Sanatorium“ aus, das nach den Studentenunruhen vom März 1968 konzipiert wurde, als eine Welle antisemitischer Säuberungen Polen erfasste. Wojciech Jerzy Has konnte das Projekt erst realisieren, nachdem Kazimierz Kutz 1972 die Leitung des Filmstudios Silesia übernommen hatte und es gegen den erbitterten Widerstand der Parteieliten durchboxte. Trotz Festivalerfolgen im Westen verbannte man den Solitär schließlich in die Regale der Zensur. Auch wenn Has nicht direkt mit einem Berufsverbot belegt wurde, so durfte er doch neun Jahre lang keinen Film mehr drehen.
 
Geboren 1925 in Kraków, drehte Has in der Zeit des Stalinismus zunächst impressionistische Dokumentarfilme und debütierte 1956 in der „Tauwetter“-Periode als Spielfilmregisseur. Obwohl er neben Andrzej Wajda, Jerzy Kawalerowicz und Kazimierz Kutz zu den Vertretern der Polnischen Filmschule gerechnet wird, hatte Has wenig mit ihrer geschichtsfokussierten Hauptströmung zu tun. Verrinnende Zeit, nicht näher definierter Fatalismus und ein Gefühl der Ausweglosigkeit prägen sein Frühwerk, das stark vom Existentialismus und „magischen Realismus“ Marcel Carnés beeinflusst ist. Seine innerlich gebrochenen Helden durchleben existentielle Dramen, Einsamkeit und Ohnmacht. In „Jak być kochaną / How to Be Loved“ nutzte Has die subtile Introspektion einer Schauspielerin, die während des Kriegs einen Widerstandskämpfer versteckte, um die nationale Mythologie und Legendenbildung zu hinterfragen. Rückblenden-Dramaturgie und der Topos des Abschieds bestimmen den abgeklärten Ton seiner Literaturadaptionen nach Vorlagen bekannter Nachkriegsautoren wie Marek Hłasko, Stanisław Dygat und Kazimierz Brandys. Ihre Grundmotive, Reise und Flucht, erweisen sich in den Filmhandlungen als Illusion, sie bieten keine Befreiung von den Schatten einer ambivalenten Vergangenheit.
 
Als das New Yorker Filmfestival 1997 eine Has-Retrospektive plante, ließ Martin Scorsese dessen Opus Magnum „Rękopis znaleziony w Saragossie / The Saragossa Manuscript“ restaurieren. „Kino voller Magie, Kino wie ein Traum“ (TIP 3/2000), aus dem Geiste der Literatur und Malerei – angesiedelt irgendwo zwischen Chiricos somnambulen Landschaften, Max Ernsts Collagen, holländischen Stillleben, zwischen surrealistischer Subversion und barocker Pracht. Has‘ ästhetisches Credo, „in Bilder zu übersetzen, was in der Literatur als nicht verfilmbar erscheint“ (Kino, Nr. 9, 1996), gilt auch für sein nach der erzwungenen Schaffenspause entstandenes Spätwerk, das aber die geschliffene Eleganz und ironische Vieldeutigkeit seiner frühen Arbeiten nur noch ansatzweise erreicht.“
 
Margarete Wach
 
Brooklyn Academy of Music: The Waking Dreams of Wojciech Has
 
filmPOLSKA-Trailer zur Retrospektive
 
Das ursprünglich geplante Programm im Zeughauskino:
 
Sanatorium pod Klepsydrą / The Hourglass Sanatorium
PL 1973, R/B: Wojciech Jerzy Has, K: Witold Sobociński, D: Jan Nowicki, Tadeusz Kondrat, Irena Orska, Halina Kowalska, Gustaw Holoubek, Mieczysław Voit, Ludwik Benoit, 119’; DCP, OmeU
 
Mit wuchernder Fantastik und groteskem Humor entwirft der von den Nazis ermordete Dichter Bruno Schulz in seinem Erzählband „Das Sanatorium zur Todesanzeige“ ein privatmythologisches Universum der unwiederbringlich versunkenen jüdischen Lebenswelt in Ostgalizien. Eine Traumlandschaft der Visionen und Obsessionen, die ihm den Ruf eines geistigen Zwillings von Franz Kafka eingebracht hat. Wojciech Jerzy Has erhielt für seine später zensierte Adaption des Stoffes 1973 den Spezialpreis der Jury in Cannes. 
Film wie Buch erzählen die sonderbare Geschichte des polnischen Juden Józef, der ein Sanatorium besucht, in dem sein übermächtiger Vater Jakub nach dem Tod verweilt. Es folgt eine Reise in die tiefsten Schichten des Unbewussten und Imaginären, dorthin, wo die Zeit aus den Fugen gerät und sogar rückwärts läuft. Has inszeniert den bizarren Trip als Metapher auf Identitätssuche und Errettung eines kollektiven Gedächtnisses: Jedes Mal, wenn Józef unter das Bett des Vaters kriecht, taucht er in die surreal anmutende Welt seiner Kindheit hinab, in den Mikrokosmos eines osteuropäischen Schtetls zu Beginn des 20. Jahrhunderts – eine Lebenswelt, die mit ihrer wundersamen Mixtur von Kulturen längst dem Untergang geweiht ist. (mwa)
 
Pętla / The Noose
PL 1958, R: Wojciech Jerzy Has, B: Marek Hłasko, Wojciech Jerzy Has, K: Mieczysław Jahoda, D: Gustaw Holoubek, Aleksandra Śląska, Teresa Szmigielówna, Tadeusz Fijewski, Emil Karewicz, Roman Kłosowski, Ignacy Machowski, Igor Przegrodzki, 96’; 35mm, OmeU
 
Am späten Nachmittag soll Kuba in Begleitung seiner Verlobten Krystyna einen Arzt aufsuchen, um sich ein Entwöhnungsmittel verabreichen zu lassen. Er ist auf Entzug und kämpft verzweifelt gegen seine Alkoholsucht an. Die nächsten zehn Stunden muss er alleine in seiner Wohnung verbringen, in der unablässig das Telefon klingelt. Am Apparat sind Freunde und Bekannte, die mehr zudringlich als mitfühlend ihre Anteilnahme bekunden. Kuba kann dem Druck nicht standhalten. Er verlässt fluchtartig die Wohnung, irrt ziellos durch die Straßen, gerät in eine Schlägerei, wird festgenommen und landet schließlich in einer Bar. Eine verhängnisvolle Abwärtsspirale setzt ein. 
Das düstere Psychogramm eines Alkoholikers entstand nach Motiven einer Novelle von Marek Hłasko, einem „angry young man“ der polnischen Nachkriegsliteratur, der zusammen mit Has auch das Drehbuch schrieb. Die Handlung spielt an einem einzigen Tag und folgt einer klassischen Thriller-Dramaturgie, was dem klaustrophobisch-suggestiven Debütfilm bei seiner Wiederentdeckung auf dem New Yorker Filmfestival 1997 große Anerkennung der US-amerikanischen Kritiker einbrachte. (mwa)
 
Pożegnania / Farewells
PL 1958, R: Wojciech Jerzy Has, B: Stanisław Dygat, Wojciech Jerzy Has, K: Mieczysław Jahoda, D: Maria Wachowiak, Tadeusz Janczar, Gustaw Holoubek, Zdzisław Mrożewski, Irena Starkówna, Hanna Skarżanka, Jaremi Stępowski, 97’; DCP, OmeU
 
Warschau im Sommer 1939: In Auflehnung gegen seine großbürgerliche Herkunft verbringt Paweł einen Abend in einem Nachtlokal, wo er die Eintänzerin Lidka kennenlernt. Am nächsten Morgen unternehmen sie einen Ausflug aufs Land und verlieben sich ineinander. Ihre Beziehung bleibt jedoch platonisch und findet ein jähes Ende, als Pawełs Vater auftaucht und den Sohn zur Rückkehr zwingt. Gegen Ende des Krieges kommt Paweł als Auschwitz-Überlebender in die Ortschaft zurück, wo seine Tante, eine verarmte Aristokratin, lebt, und begegnet Lidka wieder, die seinen Cousin Mirek geheiratet hat. Die alten Gefühle leben wieder auf. 
„Pożegnania“ ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Stanisław Dygat aus dem Jahr 1948. Ähnlich wie die literarische Vorlage gilt auch Has‘ zehn Jahre später entstandene Verfilmung als eine melancholisch-groteske Abrechnung mit dem Milieu einer polnischen Vorkriegs-Intelligenzja, die infolge der politischen Umwälzungen nach dem Zweiten Weltkrieg ihren sozialen Status und ihre gesellschaftliche Bedeutung verlor. (mwa)
 
Rękopis znaleziony w Saragossie / The Saragossa Manuscript
PL 1965, R: Wojciech Jerzy Has, B: Tadeusz Kwiatkowski, K: Mieczysław Jahoda, D: Iga Cembrzyńska, Elżbieta Czyżewska, Gustaw Holoubek, Joanna Jędryka, Bogumił Kobiela, Barbara Krafftówna, Krzysztof Litwin, Jan Machulski, Zdzisław Maklakiewicz, Leon Niemczyk, Franciszek Pieczka, Beata Tyszkiewicz, Kazimierz Opaliński, 182’, DCP, OmeU
 
Der wallonische Gardist Alfons van Worden findet auf seiner Reise durch die spanische Sierra Morena in einem Gasthof Zuflucht vor der Nacht. Bald sieht er sich in einer gespenstisch-barocken Szenerie gefangen und wird von sarazenischen Prinzessinnen, gehängten Banditen und der heiligen Inquisition verfolgt. Mit „Rękopis znaleziony w Saragossie“ gelang Has 1964 eine ebenbürtige Verfilmung des exotisch-fantastischen Abenteuerromans von Jan Graf Potocki (1761–1815). Viel von ihrer betörenden Wirkung verdankt die labyrinthartige Parabel über den Kampf zwischen Rationalismus und Aberglauben der kontrapunktischen Musik von Krzysztof Penderecki und dem Bühnenbild von Jerzy und Lidia Skarżynski. Das cineastische Unikat war ein Lieblingsfilm von Luis Buñuel, der ihn zu der Episodenrevue „La voie lactée“ (1969) inspiriert haben soll. (mwa)
 
Jak być kochaną / How to Be Loved
PL 1963, R: Wojciech Jerzy Has, B: Kazimierz Brandys, K: Stefan Matyjaszkiewicz, D: Barbara Krafftówna, Zbigniew Cybulski, Wieńczysław Gliński, Wiesław Gołas, Wies-ława Kwaśniewska, Zdzisław Maklakiewicz, Kalina Jędrusik, 97’; DCP, OmeU
 
Während der deutschen Besatzungszeit verliebt sich die angehende Schauspielerin Felicja unglücklich in ihren Kollegen Rawicz. Als dieser bezichtigt wird, einen Kollaborateur getötet zu haben, versteckt sie ihn in ihrer kleinen Wohnung. Dabei wird ihre Opferbereitschaft schweren Prüfungen unterzogen. Doch Felicja hält zu Rawicz – in der Hoffnung, er würde nach dem Krieg mit ihr zusammen bleiben. Felicja entgeht jedoch, dass ihr Handeln zu einer unerträglichen Belastung für Rawicz geworden ist … 
Das Melodrama nach Motiven einer Erzählung von Kazimierz Brandys wurde in Polen als eine Replik auf die romantische Strömung der Polnischen Filmschule rezipiert. Von Felicja während eines Flugs nach Paris im Voice Over kommentiert und in Rückblenden aufgerollt, überzeugt das psychologische Kammerspiel nicht zuletzt durch seine distanzierende Erzählstrategie, die Raum für eigene Reflexionen lässt. (mwa)
 
Lalka / The Doll
PL 1968, R: Wojciech Jerzy Has, B: Wojciech Jerzy Has, K: Stefan Matyjaszkiewicz, D: Beata Tyszkiewicz, Mariusz Dmochowski, Tadeusz Fijewski, Wiesław Gołas, Kalina Jędrusik, Jan Kreczmar, Tadeusz Kondrat, Andrzej Łapicki, Jan Machulski, 151’; DCP, OmeU
 
Warschau in dem von Russland annektierten Teil Polens 1863: Vor einem sorgfältig skizzierten Hintergrund der gesellschaftlich-soziokulturellen Umwälzungen nach dem niedergeschlagenen Januaraufstand wird die Geschichte der unerwiderten Liebe des vermögenden Kaufmanns Stanisław Wokulski zu Izabella Łęcka erzählt, einer ebenso schönen wie berechnenden Aristokratin aus heruntergekommenem Adelsgeschlecht. Wokulski, der seinen immensen Reichtum Warenlieferungen an die russische Armee verdankt, handelt gegen seine eigenen finanziellen Interessen, um der von ihm angebeteten Frau zu helfen. Seine selbstzerstörerische Liebe lässt ihn die Ratschläge seines Freundes Rzecki missachten und ermöglicht Izabella, ihn zu hintergehen. 
Lalka, eine Adaption des gleichnamigen Literaturklassikers des polnischen Positivismus von Bolesław Prus, inszeniert das Liebesdrama eines Neureichen, dem der Zugang zu den höchsten Gesellschaftssphären vorenthalten bleibt. In dem historischen Ausstattungsfilm finden sich reichlich Requisiten aus Has‘ „Rumpelkammer der Träume“ (Jan Słodowski). (mwa)
 
Nieciekawa historia / An Uneventful Story
PL 1983, R/B: Wojciech Jerzy Has, K: Grzegorz Kędzierski, D: Gustaw Holoubek, Hanna Mikuć, Anna Milewska, Elwira Romańczuk, Marek Bargiełowski, Janusz Gajos, Janusz Michałowski, 106’; DCP, OmeU
 
In dieser Verfilmung der gleichnamigen Erzählung von Anton Tschechow komprimierte Has die literarische Handlung auf eine Zeitspanne von etwas mehr als 24 Stunden, in der der bekannte Anatomie-Professor Nikolai Stepanowitsch am Ende seines Lebens seine Leistungen und Erfahrungen einer ausgiebigen Bilanz unterzieht. 
Ein normaler, monotoner Tag beginnt. Nikolais Frau Weronika hält einen Monolog über die Widrigkeiten des Alltags, finanzielle Nöte und einen möglichen Skandal, der aus den häufigen Besuchen des Professors bei ihrer jungen, schönen Adoptivtochter Katarina resultieren könnte, die als Schauspielerin gescheitert ist und ihr uneheliches Kind verloren hat. Die leibliche Tochter der Stepanowitschs hat sich mit dem angeblich vermögenden Musikkritiker Aleksander Gnekker verlobt. Doch als der Professor in Kalisz Erkundungen über Gnekker einholt, erweist sich dieser als Hochstapler. In Nicolais Hotel in Kalisz taucht Katarina auf, um ihm ihre Abreise anzukündigen. Verhärmt durch die Langeweile und das Gefühl eigener Unbrauchbarkeit denkt der Professor über die Sinnlosigkeit seiner Existenz nach. „Nieciekawa historia“ ist die Geschichte eines typischen russischen Intelligenzlers des ausgehenden 19. Jahrhunderts, dessen schwer zu fassender Lebensüberdruss ihn als eine typische Tschechow-Figur ausweist. (mwa)
 
Osobisty pamiętnik grzesznika przez niego samego spisany / The Memoirs of a Sinner
PL 1986, R: Wojciech Jerzy Has, B: Michał Komar, K: Grzegorz Kędzierski, D: Piotr Bajor, Maciej Kozłowski, Janusz Michałowski, Hanna Stankówna, Ewa Wiśniewska, Franciszek Pieczka, Anna Dymna, Katarzyna Figura, 114’; DCP, OmeU
 
Als nachts Soldaten auf einem Friedhof einen Sarg ausgraben, erwacht der Tote zum Leben. In den Händen hält er sein geheimes Tagebuch, das der Exhumierung den Anlass gab. Er beginnt zu erzählen: Sein Stiefbruder Gustaw kam zur Welt, nachdem der exzessiv lebende Adlige Logan die fromme Rabina vergewaltigt hatte. Später ging er, Robert, aus der Verbindung Rabinas mit dem Pastor Prudencjusz hervor. Als die Brüder sich begegnen, sind sie sich äußerlich ähnlich, haben aber völlig entgegengesetzte Charaktere. Dank der unterdrückten Sehnsüchte Roberts kann der Teufel ihn in Gestalt eines Unbekannten dazu bringen, Gustaw zu töten. Von seiner Umgebung bezichtigt, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben, muss Robert fliehen … Ein Gruselfilm nach einem Roman des schottischen Dichters James Hogg (1770–1835), der als Analphabet Sagen und Lieder seines Landes zu fantastischer Literatur verarbeitete. (mwa)
 
>> culture.pl/en/artist/wojciech-jerzy-has

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03.05.2020
Tag 4 – Kamerakunst
Piotr Sobociński jr. und andere polnische Meister der Zunft
 
Das künstliche Auge der Kameralinse und das physische Auge der Kameramänner und -frauen macht eine Geschichte erst zum Kinoerlebnis. Polnischen Kameraleute gehören zu der Avantgarde ihrer Zunft, sind zwischen Warschau und Los Angeles heiß begehrt und haben mit ihren Werken bei filmPOLSKA das Berliner Publikum verzaubert und begeistert. Einer von ihnen war Piotr Sobociński jr., Sohn der berühmten Kameramänner-Familie, der u. a. Bilder zu Filmen wie  „Boże Ciało / Corpus Christi“, „Kler / Clergy“ oder „Cicha noc / Silent Night“ kreiert hat.

Piotr Sobociński jr.: Selbstisolation, Tag 41. Ich habe beschlossen … (2020, Auftragsarbeit für filmPOLSKA)
 
Wojciech Smarzowski: Wołyń / Wolhynien (Trailer, Kamera: Piotr Sobociński jr.)
 
Jan Komasa: Boże Ciało / Corpus Christi (Trailer, Kamera: Piotr Sobociński jr.)
 
Piotr Domalewski: Cicha noc / Silent Night (Trailer, Kamera: Piotr Sobociński jr.)
 
Piotr Sobociński jr.: Reel (2016) >> vimeo.com/137817828
 
 
Weitere polnische Kamerakünstler/innen:
 
• Witold Sobociński
>> culture.pl/en/artist/witold-sobocinski
 
Wojciech Herzy Has: Sanatorium pod klepsydrą / The Hour-Glass Sanatorium (Trailer, Kamera: Witold Sobociński)
 
• Jolanta Dylewska
>> culture.pl/en/artist/jolanta-dylewska
 
Agnieszka Holland: Pokot / Die Spur (Trailer, Kamera: Jolanta Dylewska)
 
• Paweł Edelman
>> culture.pl/en/artist/pawel-edelman
 
Paweł Edelman: Masters (Werbeclip, 2015)
 
• Karina Kleszczewska
 
Karina Kleszczewska: Showreel (2018)
 
Łukasz Barczyk: Hiszpanka / Spanish Flew (Trailer, Kamera: Karina Kleszczewska)
 
• Artur Reinhard
>> culture.pl/en/artist/artur-reinhart
 
Lato z Muzami: Artur Reinhart (2012)
 
• Małgorzata Szyłak
 
Anna Zamecka: Komunia / Communion (Trailer, Kamera: Małgorzata Szyłak)
 
Anna Jadowska: Dzikie róże / Wild Roses (Trailer, Kamera: Małgorzata Szyłak)
 
• Kuba Kijowski

Agnieszka Smoczyńska: Córki dancingu / The Lure (Trailer, Kamera: Kuba Kijowski)
 
• Wojciech Staroń
 
Wojciech Staroń: Argentyńska lekcja (2011) >> ninateka.pl/film/argentynska-lekcja-wojciech-staron
 
• Jacek Petrycki
>> culture.pl/en/artist/jacek-petrycki
 
• Sławomir Idziak
>> www.deutscher-kamerapreis.de/preistraeger/slawomir-idziak
>> culture.pl/en/artist/slawomir-idziak
 
• Krzysztof Ptak 
>> culture.pl/en/artist/krzysztof-ptak
 
• Bogdan Dziworski
>> artmuseum.pl/en/filmoteka/praca/rybczynski-zbigniew-dziworski-bogdan-sceny-narciarskie-z
>> culture.pl/en/work/flirting-by-the-carpet-beating-frame-bogdan-dziworski

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04.05.2020
Tag 5 – Der Workshop
Hubert Czerepok

Regie- und Kameraworkshops im Rahmen von filmPOLSKA waren stets Schmückstücke des Festivals und zugleich ein besonderer Raum der Begegnung zwischen den Meistern und Schüler. Namhafte Künstler wie Bartek Konopka, Anna Jadowska, Robert Thalheim, Maciej Drygas, Paweł Łoziński, Leszek Dawid, Wojciech Staroń, Karolina Bielawska, Grzegorz Pacek, Mariusz Grzegorzek, Przemysław Wojcieszek, Jacek Petrycki und Stanisław Mucha gewährten dem wissbegierigen Nachwuchs Einblicke in ihre Werkstatt und förderten seine künstlerische Entwicklung.

Hubert Czerepok untersuchte beispielsweise in seinem Workshop „Durch einen dunklen Spiegel“ mit den Teilnehmer(inne)n anhand des kontroversen Romans „Die Wohlgesinnten“ von Jonathan Littell den Geist der Nazikultur in Berlin. Czerepok schafft als bildender Künstler Installationen, Fotografien, Objekte und Filme. Er studierte an der  Akademie der Bildenden Künste in Poznań, an der Jan van Eyck Academie in Maastricht und an der Kunstakademie in Antwerpen. Später war er u. a. Assistenzprofessor im Videostudio der Kunstuniversität Poznań, außerordentlicher Professor an der Abteilung für Malerei und neue Medien der Kunstakademie in Szczecin sowie Geschäftsführer eines Studios für Experimentalfilm.
 
 
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05.05.2020
Tag 6 – Die Kinos
Brotfabrik, Bundesplatzkino, Zeughauskino, fsk, Arsenal, Topographie des Terrors, Babylon & K 18
 
In den Jahren 2005–2019 fanden im Rahmen von filmPOLSKA insgesamt 1.290 Kinovorführungen statt. Das Festival zeigte über 1.500 Filme und 324 Filmschaffende aus Polen diskutierten nicht nur in Berliner Kinos mit dem Publikum. Heute stehen alle unsere Partnerkinos leer: Acker Stadt Palast, Acud, Arsenal, Babylon Mitte, Brotfabrik, Bundesplatz Kino, CineStar Frankfurt (Oder), EWA e.V., fsk, Hackesche Höfe Filmtheater, Krokodil, Club der polnischen Versager, Filmclub K-18, Filmmuseum Potsdam, Kleines Kino Frankfurt (Oder), Martin Gropius Bau, Neue Kant Kinos, Thalia Filmtheater Babelsberg, Topographie des Terrors, Wolf Kino, Zeughauskino im Deutschen Historischen Museum … Diese wunderbaren Tempel der Kinematografie standen filmPOLSKA treu zur Seite. Jede dieser Spielstätte hat ihren eigenen Charakter, ihr eigenes Publikum und nicht zuletzt ihre/n künstlerische/n Leiter/in und Betreuer/in, der/die mit viel Liebe für die polnische Filmkunst ihre Pforten sieben Tage & Nächte lang für uns offen halten. Wir drücken die Daumen für ihr wirtschaftliches Überleben und sind zutiefst davon überzeugt, dass wir bald wieder mit polnischen Filmen bei euch zu Gast sein werden. Wir haben uns bei euch immer zu Hause gefühlt.

 
„Danke!“ sagen wir im Speziellen unseren treuen Festival-Partnern:
 
Timothy Grossman / Babylon
Jörg Fries / Zeughauskino
Ulrich Tempel / Topographie des Terrors
Milena Gregor / Arsenal
Christian Suhren / fsk Kino
Martin Erlenmaier / Kino am Bundesplatz
Claus Löser / Brotfabrik
Izabela Plucińska / K 18

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06.05.2020
Tag 7 – Der Wettbewerb
Zamecka, Szelc, Grzegorzek und ihre Nachfolger
 
Der letzte Tag von filmPOLSKA ist für das Orga-Team nach sieben Festival-Tagen und -Nächten nicht nur ein melancholischer Abschied am Rande des Nervenzusammenbruchs, sondern auch ein Tag der Freude: Endlich wird der Sieger des filmPOLSKA-Wettbewerbs bekannt gegeben. Jedes Jahr küren drei Juroren aus der deutschen Film- und Kulturbranche unter den Werken polnischer Nachwuchsregisseure eine/n Gewinner/in, dessen bzw. deren Beitrag sie als am wertvollsten und vielversprechendsten erachten. Hier sind die bisherigen Preisträger.
 
Sieger 2017
 
Anna Zamecka: Komunia / Communion (Trailer)
 
Sieger 2018
 
Jagoda Szelc: Wieża. Jasny dzień / Tower. A Bright Day (Trailer)
 
Sieger 2019
 
Łukasz Grzegorzek: Córka trenera / A Coach’s Daugther (Trailer)
 

Für den filmPOLSKA-Wettbewerb 2020 haben sich folgende Filme qualifiziert:
 
Matej Bobrik: Nasza mała Polska / Our Little Poland (Trailer)
 
Michał Bielawski: Wiatr. A thriller dokumentalny / Wind. A documentary Thriller (Trailer)
 
Bartosz Kruhlik: Supernova (Trailer)
 
Piotr Ryczko: Jestem REN / I am REN (Trailer)
 
Małgorzata Imielska: Wszystko dla mojej matki / All For My Mother (Trailer)
 
Piotr Dylewski: Zgniłe uszy / Rotten Ears (Trailer)
 
Jagoda Szelc: Monument (Trailer)
 
Und der Gewinner von filmPOLSKA 2020 heißt …