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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Musik

#KlangContraCorona 3

16.03 - 31.07.2020

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Musikalische Leckerbissen auf Facebook und auf der Homepage (Teil 60 ff.)

Teil 1–35: HIER
Teil 36–60: HIER

So lange das Coronavirus alle Veranstaltungen verhindert, versorgen wir euch digital mit musikalischen Leckerbissen aus Polen.

Inhalt:

1–35 / >> #KlangContraCorona 1
36–60 / >> #KlangContraCorona 2
61 / Riverside
62 / Gooral
63 / O.S.T.R.
64 / Kayah
65 / Closterkeller
66 / Maryla Rodowicz
67 / Sensum Quartet
68 / Oberschlesien
69 / BratHanki
70 / Smutne Piosenki
71 / Farben Lehre
72 / Karolina Czarnecka
73 / Kwartet Śląski / Silesian String Quartet
74 / Xxanaxx



61 / 30.05.2020
RIVERSIDE
Progressive Rock/Metal ist nicht unbedingt die Stilrichtung, mit der man reich und berühmt wird. Aber vielleicht kann man sich mit verfrickeltem Gitarrengeschrammel und Acht-Minuten-Tracks ja dafür unsterblich machen? Schließlich werden in polnischen Fußgängerzonen permanent Stücke von Pink Floyd gespielt, es gibt also einen solide Fanbasis. Und mehr noch: Die Szene ist international bestens vernetzt, so dass eine Band wie Riverside inzwischen viel öfter oft in Clubs und auf Festivalbühnen in Westeuropa und Nordamerika spielt als zu Hause. Überhaupt ist die Truppe enorm bühnenerfahren und bringt es auf einige Dutzend Gigs pro Jahr. Sieben Alben hat sie seit 2003 bei Mystic Production herausgebracht (zuletzt „Wasteland“, 2018), die ab 2010 auch im Ausland sukzessive in die Charts kletterten. Liebhaber von Tool, Opeth oder Porcupine Tree sollten also unbedingt mal ein Ohr riskieren. Oder auch zwei. Am besten mit Kopfhörern.
>> riversideband.pl/en
 
 
62 / 01.06.2020
GOORAL
Wenn man die Abkürzung „DJ“ hört, sind die Assoziationen klar – Loops, Clubs, Bass, Endlos-Mixe, Beats, Schallplatten, Breaks. Aber Folklore? Geigen? Historische Trachten? Volkstänze? Selbstverständlich – zumindest, wenn man Gooral heißt und das Genre „Ethno Elektro“ in Polen quasi im Alleingang aus der Taufe gehoben hat. Bei ihm sind Gesang und Geigen aus der Góralen-Musiktradition der Karpaten die Basis, auf der er krachige Clubsounds kreiert, die Respekt vor ihren historischen Vorbildern zeigen und trotzdem hundertprozentig als Spaßmusik taugen. Und vor allem: Man kann dazu tanzen, tanzen, tanzen! Fünf Alben (u.a. mit Psio Crew) hat der Lockenkopf inzwischen auf dem Konto, Auftritte in Japan, Kanada oder Aserbaidschan, diverse Preise und sogar eine gemeinsame DVD mit dem renommierten Ensemble Mazowsze.
>> www.gooral.net
 
 
63 / 03.06.2020
O.S.T.R.
O.S.T.R., 1992 geboren als Adam Andrzej Ostrowski in Łódź, ist tief in der polnischen Hiphop-Szene verwurzelt und entspricht trotzdem kaum dem Klischee des klassischen Straßenrappers. Das beginnt schon damit, dass er nicht aus einem Ghetto-Haushalt stammt, sondern als Sohn einer Musik-Professorin eine Hochschulausbildung im Fach Violine in der Tasche hat. Das erklärt auch, warum er stets offen für andere Musikstile ist und keine Scheu beispielsweise vor jazzigen Klängen hat. Darüber hinaus gilt er als einer der begabtesten Freestyler im Land. Außerdem kennt er das Business von beiden Seiten des Mischpults, weil er auch als Produzent, Komponist und Toningenieur zugange ist. Nach ersten Schritten in diversen Gruppen tritt er seit 2000 solo auf und hat seitdem in diversen Kooperationen satte 18 Veröffentlichungen in die Regale gewuchtet (zuletzt „Gniew“ [Zorn], 2020). Direkt daneben stehen etliche Auszeichnungen, gekrönt von der Ehrenbürgerschaft der Stadt Łódź im Jahr 2017. Das man das nicht mit Geprolle schafft, ist selbstverständlich – O.S.T.R. schreckt nicht vor ernsthaften Themen zurück und verarbeitete beispielsweise autobiografisch eine schwere Lungen-OP in seinem Album „Życie po śmierci“ (Leben nach dem Tod, 2016).
>> ostr.bio
 

64 / 06.06.2020
KAYAH
Ende der Neunzigerjahre war es in Polen nahezu unmöglich, Kayah (eigentlich Katarzyna Magda Rooijens, geboren 1967 in Warschau) aus dem Weg zu gehen. In jeder Disco, jeder Kneipe und jedem Radiosender wurde ihr Megahit „Prawy do lewego“ vom Album „Kayah i Bregović“ hoch- und runtergespielt, auf dem sie zusammen mit dem bosnischen Musiker und Komponisten Goran Bregović wie selbstverständlich Balkanrhythmen mit polnischer Folklore und Pop vermischte und daraus ein musikalisches Gebräu anrührte, zu dem man einfach tanzen musste. Noch heute ist eine Hochzeitsfeier ohne diesen Song kaum vorstellbar. Auch wenn Kayah diesen riesigen Erfolg später nicht wiederholen konnte, enterte sie auch mit ihren poppigen Soloalben und ambitionierten Kooperationen u.a. mit Cesária Évora oder dem Royal String Quartet regelmäßig in den Charts und räumte verlässlich Preise ab. Wenn sie nicht gerade am Mikrofon steht, ist sie eine äußert erfolgreiche Produzentin, die mit ihrem Label Kayax so illustre Künstler wie Envee, Maria Peszek, Zakopower oder die Warsaw Village Band unter ihre Fittiche genommen und zu Stars gemacht hat.
 

65 / 08.06.2020
CLOSTERKELLER
Gothic Rock ist nicht unbedingt der größte Exportschlager Polens, was aber nicht darüber hinweg täuschen soll, dass es schon lange eine große und sehr lebendige Szene mit ihren eigenen Clubs, Festivals und Bands gibt. Diese Szene wäre ohne Closterkeller eigentlich nicht denkbar. Bereits 1988 gründete sich die Band in Warschau und ist seitdem ununterbrochen aktiv. Dreh- und Angelpunkt ist die charismatische Sängerin Ania Orthodox, das letzte verbliebene Gründungsmitglied, die nicht nur mit ihrer unverwechselbaren Stimme für Wiedererkennungswert sorgt, sondern auch mit ihren Texten das Genre der „gesungenen Poesie“ um eine dunkle Facette erweitert. In über 30 Jahren hat die Band diverse Spielarten des dunklen Genres von Elektronik über balladesken Pop bis zu metallischen Klängen durchprobiert und über 25 Musiker durch die Besetzung geschleust. Konstant sind hingegen die Titel ihrer Alben, die grundsätzlich nach Farben benannt sind – vom Debüt „Purple“ (1990) über die Erfolgsplatte „Violet“ (1993) bis zum letzten Longplayer „Viridian“ (2017). Auch wenn sie es nie in den Mainstream geschafft hat, besitzt die Band doch eine solide Fanbasis und es wäre nicht überraschend, wenn sie auch noch in 20 Jahren durch die Clubs touren würde. Ausreichend Farben für die Albentitel wären ja noch übrig.


66 / 10.06.2020
MARYLA RODOWICZ
Es ist schwer, für ein Phänomen wie MarylaRodowicz (geb. 1945 in Zielona Góra) die passenden Superlative zu finden. Kaum jemand hat die polnische Musik in den letzten 50 Jahren so kontinuierlich geprägt wie die Frau mit der starken Stimme, die mit Chansons groß wurde, aber auch vor Rock und Clubsounds nicht zurückschreckt und deshalb alle Generationen von Enkel bis Uroma erreicht. Die passionierte Leichtathletin stand 1962 erstmals auf der Bühne und tingelte durch diverse Festivals und Wettbewerbe, bei denen sie ab den späten Sechzigern kontinuierlich erste Preise abräumte und sich zunehmend eine Ruf als hervorragende Interpretin erspielte. Ihren Erfolg verdankt sie neben ihrem extravaganten Kleidungsstil und ihrer unverwechselbaren Stimme, die sich zwischen zarter Ballade und rauem Rock in diversen Genres wohlfühlt, auch ihren herausragenden Songwritern wie Agnieszka Osiecka, die ihr unsterbliche Klassiker ins Repertoire schrieben. Seit ihrem Debüt „Żyj mój świecie“ (Lebe, meine Welt; 1970) hat Rodowicz in erstaunlicher Regelmäßigkeit ca. alle zwei Jahre neue Alben veröffentlicht, auch der politische Umbruch 1989 hinterließ in ihrer Diskografie kaum sichtbare Spuren. Insgesamt hat sie bis heute 22 Studienalben veröffentlicht – die weiteren Veröffentlichungen inkl. Singles, Compilations, Livemitschnitten und Soundtracks sprengen den Rahmen des Zählbaren. (Ost-)Deutschen Zuhörern ist sie spätestens seit 1973 keine Unbekannte mehr, als sie beim DDR-Label Amiga ein komplettes Album auf Deutsch (!) herausgab, das 40 Jahre später noch einmal auf CD erschien. Ihre großen Hits wie „Małgośka“ (dt. „Maria“), „Niech żyje bal“ (Es lebe der Ball) oder „Damą być“ (dt. „‘ne Dame sein“) gehören inzwischen in Polen zum Allgemeingut und werden auch dann noch lange gespielt, gesungen und gehört werden, wenn Rodowicz längst in den wohlverdienten Ruhestand gegangen ist. Woran sie im Moment noch keinen Gedanken verschwendet.
 

67 / 13.06.2020
Heute geht’s direkt in den Underground – aber wir stellen euch weder verfrickelte Minimal-Elektronik noch wüsten Black Metal vor, sondern ein Streichquartett. Streichquartett? Gibt es die nicht wie Sand am Meer, auch in Polen? Ja, aber nur wenige bestehen ausschließlich aus Frauen. Noch weniger aus sehr jungen Frauen. Und die allerwenigsten spielen nicht einfach das klassische Repertoire für diese Ensembleform, sondern verewigen in ihren Arrangements die musikalische Kultur ihrer Region – so wie das Sensum Quartet aus dem nordostpolnischen Białystok. Maria Nowak (1. Violine), Agnieszka Wenda (2. Violine), Magdalena Szczebiot-Murawska (Viola) und Katarzyna Winkiewicz (Cello) grasen seit 2015 gemeinsam ihre Heimat Podlachien nach überlieferten Melodien ab und fertigen aus ihnen einfühlsame, griffige Instrumental-Arrangements, welche die nicht verblassende Aktualität der Volksweisen erkennen lassen. Mehrstimmige orthodoxe Gesänge und Festmusik der ethnischen Minderheiten aus den Dörfern an der belarussischen Grenze erfahren so eine Frischzellenkur auf hohem Niveau. Nachhören kann man das auf dem Debüt-Minialbum „Echo“ (2017), das Lust auf mehr macht.
 
 
68 / 15.06.2020
Die Idee liegt so dermaßen auf der Hand, dass irgendwann jemand darauf kommen musste: der rauen, dicht besiedelten, proletarisch geprägten, von Schwerindustrie und Bergbau zernarbten Landschaft Oberschlesiens einen adäquaten Soundtrack zu verpassen. Dass der nicht auf sanften Pfoten daher kommt, versteht sich von selbst. Folglich spielen Oberschlesien aus Piekary Śląskie seit 2012 keine zarten Balladen, sondern ruppigen Industrial Metal. Dass sich die Herren um Schlagzeuger Marcel Różanka  und Sänger Michał Stawiński nicht „(Górny) Śląsk“ nennen, ist in zweierlei Hinsicht schlüssig: Die Region hat u.a. deutsche Wurzeln, genau wie die Musik, welche ihre Bezüge zu Die Krupps und vor allem Rammstein (auch in ihren optischen SM-Anleihen) nicht versteckt. Dieser multiethnische Stahl aus dem metallischen Hochofen mit viel Pyro-Begleitung bekommt noch eine linguistische Legierung, indem die Texte konsequent nicht auf Polnisch, sondern im schlesischen Dialekt abgefasst sind. Bei aller plakativ männlichen (und damit auch subtil sexistischen) Imagepflege erteilen uns die sechs Musiker also auf ihren Alben „I“ (2013), „II“ (2015) und „III“ (2019) auch eine krachende Lektion in Geschichte und Kultur ihrer „hajmat“. Und bedienen sich wie in „Król Olch“ (Der Erlkönig) auch noch am klassischen Literaturkanon der deutschen Nachbarn.
 

69 / 17.06.2020
BRAThANKI
Die gibt’s noch? Aber hallo! Als sie vor 20 Jahren mit ihrem Debütalbum „Ano!“ die polnischen Charts stürmten, waren Brathanki im Handumdrehen berühmt und eine ausgelassene Feier ohne ihre Megahits „Czerwone korale“ (Rote Korallen) und „Gdzie ten, który powie mi“ (Wo ist der, der es mir sagt) schlicht nicht vorstellbar. Das Erfolgsrezept der Gruppe um den Akkordeonisten Janusz Mus war so durchschlagend wie simpel: Wie auf den zeitgleich durch die Decke gehenden Alben von Kayah und Golec uOrkiestra verband sie Instrumentarium und Melodien der slawischen Folklore mit Elementen aus Rock und Pop, die sie für die breite Masse zugänglich machten und unweigerlich ins Tanzbein gingen. Markenzeichen war die Stimme der Sängerin Halina Mlynkova, die mit ihrer Herkunft aus der polnisch-tschechischen Grenzregion noch einen böhmischen Aspekt einbrachte, der sich auch im Albumtitel (tschechisch für „ja“) niederschlug. Mit dem Song „W kinie w Lublinie“ (Im Kino in Lublin) von der Nachfolgeplatte „Patataj“ (2002) landete die Gruppe noch einmal ganz oben in den Hitlisten, dann war der Folk-Boom vorbei und man musste kleinere Brötchen backen. Aber die Band machte weiter, spielte drei weitere Alben ein und wechselte dabei viermal die Sängerin. Seit 2009 steht Agnieszka Dyk am Mikrofon, die während des Lockdowns auch die aktuelle Single „Kantylena konwaliowa“ (Maiglöckchen-Kantilene) einsang. Das Rezept ist gleich geblieben: Folk + Gitarre + eingängiger Text = Fetenhit. Also: Es gibt sie noch. Und wie!
 

70 / 20.06.2020
Wenn irgendwo der Name Programm ist, dann mit Sicherheit bei Smutne Piosenki (Traurige Lieder) aus Poznań. Die vier jungen Leute machen seit 2015 mit einer sparsamen Instrumentierung aus Tasten, Bass und Schlagzeug das Gegenteil von Partymucke, sind naturgemäß tendenziell etwas langsamer unterwegs und würzen ihren balladesken Zeitlupen-Pop mit Versatzstücken aus Chanson, Funk und Jazz. Geprägt und getragen werden die atmosphärisch dichten Kompositionen der Bassistin und Bandgründerin Paulina Frąckowiak durch die markante Stimme der Sängerin Iza Polit, deren kräftiges und zugleich fragiles Timbre immer wieder massiv an Natalia Grosiak von Mikromusic erinnert, die stilistisch gar nicht so weit entfernt sind. Die deutlich dunklere Stimmfärbung Polits sorgt hier jedoch dafür, dass der Bandname kein leeres Versprechen bleibt. Nachhören kann man das auf ihrem Debütalbum „Dziki ogród“ (Wilder Garten, 2018). Wenn man Glück hat, kann man die Gruppe live noch ergänzt um ein Streichquartett und einen DJ erleben.
 
 
71 / 22.06.2020
Der Bandname Farben Lehre klingt in deutschen Ohren zwar grammatisch falsch, aber immerhin kopflastig und ambitioniert. Aber Pustekuchen: Unter diesem Namen spielt sich schon seit 1986 eine (anfangs Schüler-)Punkband aus Płock um Gründer und Sänger Wojciech Wojda und seinen Bruder Konrad an der Gitarre die Finger wund. Der Name bezieht sich übrigens weder auf Goethe noch auf das Bauhaus, sondern auf ein Gedicht von Julian Tuwim. Ihre erste Platte erschien erst 1991 – da waren sie schon u.a. durch das legendäre Musikfestival in Jarocin bekannt. Ihren Mix aus fröhlichem Punk, flottem Ska und entspanntem Reggae, der nie so richtig erwachsen klingen will, haben sie auf mittlerweile satten 15 Studioalben verewigt. Hinzu kommen vier Livealben, sechs Compilations und nicht zu vergessen Hunderte Konzerte, mit denen sie unermüdlich ihre Fans im In- und – trotz konsequent polnischer Texte – auch im Ausland beglücken. Nicht zufällig wurden sie von Die Toten Hosen eingeladen, 2004 als Vorband auf Tour mitzukommen. Auch mit The Exploited, Dritte Wahl oder New Model Army standen sie schon auf der Bühne. Zwischen 2004 und 2011 organisierte die Band jährlich die „Punky Reggae Live“-Tour, zu der sie stilistische verwandte Gruppen wie Akurat, Zabili mi żółwia, Habakuk, Koniec Świata, Leniwiec oder Cała Góra Barwinków mitnahmen. Große Charthits konnten Farben Lehre zwar nie landen, aber Klassiker wie „Matura 2000“ (Abi) oder „Spodnie z GS-u“ (GS-Hosen) kennen dank der großen Spielwut der Gruppe nicht nur eingefleischte Punk-Fans.
>> www.farbenlehre.plocman.pl
 
 
72 / 24.06.2020
KAROLINA CZARNECKA
Die Zuschauer des Festivals für Theaterlieder 2014 in Wrocław dürften sich kräftig die Augen gerieben haben: Da stand ein bis dahin unbekanntes zierliches Mädchen mit leichtem Silberblick namens Karolina Czarnecka (geb. 1989 in Sokółka) am Mikrofon und sang mitreißend ein nur auf den ersten Blick unschuldiges Liedchen – ein Cover des Anti-Drogen-Songs „Heroin and Cocain“ von den Tiger Lillies, das unter dem Titel „Hera koka hasz LSD“ viral ging und auf YouTube in kürzester Zeit 30 Millionen Klicks einsammelte. Per Crowdfunding war im Handumdrehen auch ein Videoclip fertig gebaut und die Karriere von Karolina Czarnecka nahm Fahrt auf. Ihr Vorteil: Sie kann nicht nur singen, sondern auch schauspielern. Sie hat sowohl Puppentheater in Białystok als auch Schauspiel in Warschau studiert, nach wie vor ist sie in Theatergruppen aktiv. Auf Platte kann man sie seit ihrer EP „Córka“ (Tochter, 2014) hören, es folgten drei Alben – zuletzt „Cud“ (Wunder, 2019 auf Kayax). Stilistisch fühlt sich Czarnecka im Sprechgesang mit ordentlich Bass, Bass, Bass wohl – Dub, Dancehall und HipHop sind ihre liebsten Spielwiesen. In ruhigen Momenten darf es auch mal balladesker Pop oder der gute alte Chanson sein, Czarneckas flexible Stimme ist vielen Genres gewachsen. Hinzu kommen ein expressiver Kleidungsstil und ein sicheres Gespür für originelle visuelle Einfälle, das man in ihren zahlreichen Videoclips studieren kann.



73 / 27.06.2020
Das Streichquartett aus Katowice gehört mit Sicherheit zu den etabliertesten seiner Zunft in Polen, denn bereits seit 1978 treten die Absolventen der dortigen Musikakademie „Karol Szymanowski“ zusammen auf. Die Besetzung des Kwartet Śląski hat sich seitdem nicht geändert: Szymon Krzeszowiec (Violine), Arkadiusz Kubica (Violine), Łukasz Syrnicki (Bratsche) und Piotr Janosik (Cello) pflegen gemeinsam die Literatur der Kammermusik und haben sich dabei speziell den Kompositionen des 20. und 21. Jh. verschrieben. Damit pflegen sie nicht nur das Erbe der Neuen Musik, sondern geben ihr auch Starthilfe – über 100 Uraufführungen haben sie auf dem Konto und nicht wenige dieser Werke wurden speziell für sie verfasst. Seit 1992 kann man Auszüge ihres über 400 Werke umfassenden Repertoires auch außerhalb der  renommierten Konzertsäle der Welt nachverfolgen – auf über 40 Alben sind sie zu hören, darunter mit Einspielungen von Aleksander Tansman, Grażyna Bacewicz, Henryk Mikołaj Górecki, Aleksander Lasoń, Andrzej Panufnik, Krzysztof Penderecki und Witold Lutosławski. Aber auch populäre Musik ist ihnen nicht fremd, beispielsweise adaptierten sie unter dem Titel „Republique“ (2005) Stücke der Rockband Republika für ihre Besetzung.
 
 
74 / 29.06.2020
Sommer, Sonne, Xxanaxx! Seit 2012 basteln unter diesem Namen Klaudia Szafrańska und Michał Wasilewski mit zwei Mitmusikern in Warschau an elektronischen Klängen plus Gesang herum und haben damit großen Erfolg. Ihr Name bezieht sich auf ein Medikament gegen Angststörungen und in der Tat sind ihre House-lastigen Klänge auf den drei Alben (zuletzt „Gradient“, 2018) ein gutes Mittelchen zum Runterkommen. Die Mixtur aus sanftem Synth-Pop und technoiden Rhythmen mit sanften Hiphop-Anklängen ist der ideale Soundtrack zum Sommer und stilistisch – wie das Video zu „Story“ deutlich illustriert – eher in Berlin als an der Weichsel zu Hause. Aber auch in Białystok oder Rzeszów liefern Xxanaxx den idealen sanft prickelnden Chill-Out-Soundtrack zum Cocktail auf der Hängematte im urbanen Dachgarten.