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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Film

#kinoPOLSKA 2

23.03 - 31.07.2020

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Absolventen der Filmhochschule Łódź und andere Gesichter des polnischen Films

Teil I–VIII: hier

So lange das Coronavirus alle Veranstaltungen verhindert, versorgen wir euch hier digital jede Woche mit einem filmischen Einblick in die wunderbare Geschichte des polnischen Kinos.

Der Anfang ist immer voller Hoffnung. Nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Kinder. Die Ernüchterung kommt im Leben früh genug, aber sie muss nicht zwingend mit dem Bildungssystem zu tun haben. Einige der filmischen Bildungsstätten in Polen haben sogar Kultstatus erworben. Eine von ihnen ist die Staatliche Hochschule für Film, Fernsehen und Theater „Leon Schiller“ in Łódź, abgekürzt PWSFTviT. Wir wollen in der Reihe #kinoPOLSKA an die ersten Schritte einiger ihrer Absolventen erinnern und  und weitere Gesichter des polnischen Films vorstellen.

I–VIII: hier
IX / At Home
X / Bogumił Kobiela
XI / Wojciech Kilar



IX / At Home

Die Corona-Pandemie hat den roten Teppich entzaubert. Die Kinos stehen leer, die Filmproduktion wurden unterbrochen und die meisten Festivals auf das nächste Jahr verschoben oder ins Netz verlegt. „Stay Home“ wurde zum Gebot der letzten Monate.
 
Eine Krise ist eine Herausforderung, eine Suche nach gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lösungen. Wir alle sind persönlich davon betroffen. Derlei Dramen gehören zum Wesen der filmischen Narration und haben seit der Erfindung des Mediums die Zuschauer gefesselt. Auch Covid-19 sucht nach seinen Ausdrucksformen in der Filmkunst.
 
Zum Projekt „At Home (W domu)“ des Senders HBO wurden vierzehn polnische Filmemacher/innen und visuelle Künstler/innen eingeladen. Sie erzählen von ihrer persönliche Isolation in den Zeiten der Pandemie. 14 Filme entstanden, in denen die globale Krise zu einer künstlerischen Inspiration wurde – 14 Zeitzeugnisse über die Welt, in der wir alle leben, hier und jetzt. Die Filme befinden sich noch in der Postproduktion, wir müssen also auf das Corona-Panoptikum noch ein wenig warten. In der Zwischenzeit wollen wir die beteiligten Künstler/innen kurz vorstellen, indem wir ihre früheren Arbeiten zeigen oder sie selbst zu Wort kommen lassen.
 
 
Jerzy Skolimowski über „Essential Killing“ und seine Karriere (engl.)
 
Jan P. Matuszyński: Ostatnia rodzina / The Last Family (Spielfilm, 2016, Trailer, engl. UT)
 
Krzysztof Skonieczny & Jacqueline Sobiszewski: Limbs of Sun (Experimentalfilm, 2016)
 
Małgorzata Szumowska über „Miu Miu Women's Tales“ (2020)
 
Michał Englert über seine Małgorzata Szumowska und Arbeit als Kameramann (2013, engl. UT)
 
Jacek Borcuch über „Wszystko co kocham / Alles was ich liebe“ (2010, engl.)
 
Daniel Bloom: Musikvideo zum Film „Wszystko co kocham / Alles was ich liebe“ von Jacek Borcuch (2010)
 
Andrzej Dragan über seine Arbeit als Fotograf und den „Dragan-Effekt“ (2017, engl.)
 
Anna Zamecka: Komunia / Kommunion (Dokumentarfilm, Trailer, 2017, dt.)
 
Krzysztof Garbaczewski über seine Arbeit als Theaterregisseur und Szenograf (2019, engl.)
 
Renata Gąsiorowska: Birthday (Animationsfilm, 2013)
 
Magnus von Horn über „Intruz / Evterskalv“ (2016, engl.)
 
Paweł Łoziński: Werka (Dokumentarfilm, 2014, Trailer, engl. UT)
 
Tomek Popakul über seinen Animationsfilm „Acid Rain“ (2019, engl.)
 
Mariusz Treliński: Halka (Operninszenierung, 2019, Auszug)
 
Mariusz Treliński: Król Roger / König Roger (Operninszenierung, 2011, Trailer)
 
Xawery Żuławski: Mowa ptaków / Bird Talk (Spielfilm, 2019, Trailer)
 

 
 
Für Wisława Szymborska war er der professionellste Komödiant überhaupt, der Theaterregisseur Zygmunt Hübner hob ihn auf eine Stufe mit Charlie Chaplin, Buster Keaton und Harold Lloyd: Bogumił Kobiela wurde 1931 in Katowice geboren und studierte die Schauspielkunst in Kraków. Seine ersten Schritte auf der Bühne machte er beim famosen Studententheater „Bim-Bom“ in Gdańsk. Kobiela spielte im Theater, im Kabarett, im Kino. In 34 Filmen stand er vor der Kamera und seine Rollen bleiben unvergesslich. 
 
In „Popiół i diament / Asche und Diamant“ von Andrzej Wajda füllte Kobiela die Rolle eines Parteiaktivisten mit Leben, für den seine zukünftige Kariere mit einer spektakulären Katastrophe auf dem Banketttisch endet. In „Zezowate szczęście / Das schielende Glück“ von Andrzej Munk verkörperte Kobiela einen tragischen Gutmenschen, über den das Schicksal bitter lacht, und im „Człowiek z M-3 / Der Mann mit der Zweizimmerwohnung“ von Leon Jeannot ein Muttersöhnchen bzw. einen Versager in der Welt der absurden Planwirtschaft.
 
Kobielas Auftritte vor der Kamera hatten immer etwas Besonderes, fast Unheimliches. Er balancierte zwischen Himmel und Hölle, aber in seinem Balanceakt blieb er uns mit seinen Schwächen immer nahe. Es gelang ihm, das Komödienhafte mit dem Tragischen zu paaren. Seine Auftritte bargen immer eine Prise metaphysischen Schmerz, in dem das Persönliche und das Gesellschaftliche in einem historischen Einklang münden. Nie zuvor hatte das polnische Kino einen solch differenzierten Schauspieler, der ohne Pathos und Klamauk die Zerrissenheit der menschlichen Seele in einer Historie ohne Erbarmen verkörperte.
 
Im Jerzy Skolimowskis jahrelang verbotenen Werk „Ręce do góry / Hände hoch!“ wird ein überdimensionales Porträt von Josef Stalin auf einer Leinwand angebracht. Stalins falsch geklebtes Gesicht mit zwei Paar Augen ist omnipräsent und füllt fast vollständig das Bild. Kobiela erstarrt kurz vor der monströsen Erscheinung, dann rennt er in Panik davor weg in Richtung der Kamera und schreit: „Alles um sonst, alles umsonst, acht Jahre Grundschule, vier Jahre Gymnasium, fünf Jahre Studium, alles umsonst, alles umsonst ...“ Seine Verzweiflung wird unsere Verzweiflung und verschlägt uns den Atem.
 
Jerzy Skolimowski: Ręce do góry / Hände hoch (Ausschnitt, PL 1967/1985, engl. UT)
 
Bogumil Kobiela starb mit 37 Jahren bei einem Autounfall.
 


Was verbindet so unterschiedliche Regisseure wie Krzysztof Kieślowski, Kazimierz Kutz, Marek Piwowski, Roman Polański, Andrzej Wajda oder Krzysztof Zanussi? Es ist die Musik – die Musik von Wojciech Kilar.
 
Krzysztof Kieślowski: Przypadek / Der Zufall möglicherweise (poln.):
 
Kazimierz Kutz: Sól ziemi czarnej / Das Salz der schwarzen Erde (poln.):
 
Marek Piwowski: Rejs / Die Flusskreuzfahrt (poln.):
 
Roman Polański: Pianista / Der Pianist (poln.):
 
Andzrej Wajda: Ziemia obiecana / Das gelobte Land (poln.):
 
Krzysztof Zanussi: Bilans kwartalny / Zwischenbilanz (poln.):
 
Kein anderer Komponist hat das polnische Kino so wie Wojciech Kilar geprägt. Seine Werke sind eine wunderbare Melange aus neoklassischen Kompositionen, akustischen Experimenten der Zwölftonmusik und Folklore. Er vereinte in seinen Kompositionen das Universale mit dem Lokalkolorit. Insgesamt schuf er die Musik zu 156 Filmen, die hier aufgelistet sind: https://ninateka.pl/kolekcje/kilar/filmografia.
 
Aber die Arbeit fürs Kino war für Kilar stets nur ein lukrativer Nebenjob – eine Begleiterscheinung seiner Werke für Solostimmen, Chor und Orchester. Oft mündeten seine Werke in religiösen Erhabenheit, die für ihn ein Ausdruck der Begegnung mit Gott war.
 
Wojciech Kilar: Exodus (2012)
 
Dass das Religiöse oft auch dem Profanem innewohnt, kann man wunderbar am Beispiel zweier Walzer hören, die er für Jerzy Hoffman und Andrzej Wajda schrieb:
 
Wojciech Kilar: Walzer aus „Trędowata / Nicht standesgemäß“ von Jerzy Hoffman
 
Wojciech Kilar: Walzer aus „Ziemia obiecana / Das gelobte Land“ von Andrzej Wajda
 
Dies gilt auch für „Krzesany“ – einer Schrittfolge aus Volkstänzen von Podhale. Kilar verwandelt in seinem Werk die Volksseele der Hohen Tatra in Töne und lässt den Himmel direkt zu uns sprechen:
 
Wojciech Kilar: Krzesany (2016)
 
Auf der Webseite des Komponisten findet man Videos, in denen seine „Auftraggeber“ wie Andrzej Wajda über seine Musik und ihre gemeinsame Arbeit sprechen:
 
Andrzej Wajda über Wojciech Kilar (engl. UT)
 
Eine Kurzbiographie auf Culture.pl stellt Kilars Leben und Werk vor: culture.pl/en/artist/wojciech-kilar.