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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Musik

#KlangContraCorona 4

16.03 - 31.08.2020

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Musikalische Leckerbissen auf Facebook und auf der Homepage (Teil 86–100)

Teil 1–35: HIER
Teil 36–60: HIER
Teil 61–85: HIER

So lange das Coronavirus viele Konzerte verhindert, versorgen wir euch digital mit musikalischen Leckerbissen aus Polen.

Inhalt:

1–35 / >> #KlangContraCorona 1
36–60 / >> #KlangContraCorona 2
61–85 / >> #KlangContraCorona 3
86 / Mamadou Diouf
89 / Mosaik
91 / sanah
93 /
94 /
95 /
96 /
97 /
98 /
99 /
100 /
 

 
86 / 27.07.2020
MAMDOU DIOUF
Wem die polnische Musikszene irgendwann zu polnisch wird, der hat in Mamadou Diouf jederzeit einen passenden Fluchtweg. Denn wenn der 1963 im Senegal geborene Musiker seine bunten Gewänder überstreift und zum Mikro greift, liegt Warschau im Handumdrehen mitten in Afrika. Eigentlich ist er ausgebildeter Veterinärmediziner, aber Musik ist seine eigentliche Berufung. 1983 kam er zum Studium nach Polen, blieb dort hängen und wurde Ende der Achtzigerjahre in der Kulturszene aktiv – in und mit diversen Ska-, Roots- und anderen Bands mit Musikern wie Habakuk, Anna Maria Jopek, Fisz, Zakopower, Voo Voo und Kapela ze Wsi Warszawa, aber ebenso unermüdlich als Initiator von diversen kulturellen Initiativen, welche zwischen der afrikanischen (nicht nur der senegalesischen) und der polnischen Kultur vermitteln. 2014 gründete er mit Sama Yoon seine aktuelle eigene Band und zeigte auf dem Album „Umbada“ (2016) seine Vision von Musik aus Polen mit Blick in die Welt. Man hört ihr kaum an, dass sie an der Weichsel entstanden ist und aufgenommen wurde – es ist eine frische und mitreißende Mixtur aus Afro-Pop, Reggae und Jazz, die sich geografisch nicht festmachen lässt und überall und nirgendwo zu Hause ist. Also auch in Polen.



87 / 29.07.2020
Taugen elektronische Klangerzeuger nur für Clubs? Kann man Volksmusik nur auf traditionelle Weise aufführen? Muss eine Modernisierung musikalischer Traditionen zwingend auf die breite Hörermasse schielen? Die acht Musiker vom Village Kollektiv sagen dreimal „nein!“ und präsentieren erstaunlich souverän, was man mit dem Ausgangsmaterial „Folklore“ alles anstellen kann: Traditionelle Instrumente wie Leier und Suka, die osteuropäische weiße Stimme, dazu derbe Drum’n’Bass-Beats, funky Bläser, rockig verzerrte Streichinstrumente und keine klassischen Strophe-Refrain-Schemata sind die Zutaten für ein originelles Crossover-Experiment, das bei weitem nicht nur in polnischen Archiven gräbt. Auch bulgarische Lieder, samischer Joik und der Kehlkopfgesang der Tuwa haben Platz in diesem bunten Gemisch. Wer sich das nicht vorstellen kann, hört am besten in die beiden bisherigen Alben „Motion Rootz Experimental 2006“ (2006) und „Subvillage Sound“ (2010) rein.
 
 
88 / 01.08.2020
Der Sänger Pablopavo heißt eigentlich Paweł Sołtys (geb. 1978 in Warschau) und hatte irgendwann mal Russistik studiert, bevor er merkte, dass im Musik mehr Spaß macht, und das Studium abbrach. Zum Glück, denn als Kopf der Band Vavamuffin trug er nach zehn Jahren Herumexperimentierens in diversen Bands und Soundsystems ab 2003 ziemlich erfolgreich jamaikanische Vibes in die polnischen polnische Musikwelt, bevor er sich 2009 als benannter Pablopavo (gerne auch mit seiner Gruppe „Ludziki“) auch solo auf die Bühne traute. Stilistisch ist er schwer zu packen, „relaxter Zeitlupen-Pop/Rock mit Einflüssen von Reggae und Dub“ dürfte ihn zumindest in Ansätzen beschreiben, nachzuhören auf bereits acht (!) Soloalben, zuletzt „Wszstkie nerwowe piosenki“ (Alle gereizten Lieder, 2020 nur auf Vinyl). Hinzu kommen eine charakteristische, eher sonore Stimme und ein tendenziell lyrischer Ansatz beim Texten – was wenig verwundert, wenn man weiß, dass Sołtys auch als Schriftsteller recht gut ankommt und diverse Preise eingesammelt hat. Außerdem fällt er immer wieder durch geschmackvolle, oft auch stimmungsvoll animierte Videoclips auf,
 
 
89 / 03.08.2020
Die sechs Musiker/innen der Gruppe Mosaik (anfangs „Mosaic“) scheinen eigentlich aus der Alten Musik zu kommen. Historische Instrumente wie Geigen, Flöten und Schlagwerk aus dem Mittelalter sind seit über zehn Jahren ihr Markenzeichen – aber sie werden ergänzt durch so exotische Klangerzeuger wie Tanpura (Langhalslaute), Duduk (armenisches Holzblasinstrument), Nay (orientalische Endkantenflöte), Gimbri (maghrebinische Kastenhalslaute), Wspak (spezielles Cello), Kalimba (afrikanisches Lamellophon) und Ngoni (Spießlaute aus Mali). Damit ist klar, dass der Fokus nicht allein auf der polnischen Musik liegt, sondern die zwei Damen und vier Herren in ihrer Musik jegliche Grenzen insbesondere zwischen Polen und dem Orient überschreiten. Das gilt auch für Zeitgrenzen – historisches Material gehört ebenso zum Repertoire wie die Neuinterpretation von Punk-Klassikern. Konstant bleiben dabei das traditionelle, akustische Instrumentarium und die im Osten Europas tradierte weiße Stimme, nachzuhören auf bisher vier Alben (zuletzt „Wolno!“, 2016).
 
 
90 / 05.08.2020
Polen liegt im Wilden Westen – oder der Wilde Westen in Polen. Auf diese Idee könnte man zumindest kommen, wenn man die Musik von Ørganek hört, der eigentlich mit bürgerlichem Namen Tomasz Organek heißt, 1976 im ironischerweise nordöstlichen Suwałki geboren wurde und aus einer musikalischen Familie stammt. Trotzdem studierte er erst einmal Anglistik, bevor er professionell auf E-Gitarre umschwenkte und dann ab 2003 mit der Gruppe SOFA Bühnenluft schnupperte. Nach diversen Gastauftritten u.a. für Michał Jacaszek, Andrzej Smolik und Kayah war 2013 die Zeit reif für das Solo-Projekt Ørganek, welches mit handgemachten, gitarrenlastigen, melancholischen Songs, erdiger Southern-Rock-Schlagseite und lyrischem Anstrich schnell seine Fans fand. Seine beiden Alben „Głupi“ (Dumm, 2014) und „Czarna Madonna“ (Schwarze Madonna, 2016) erreichten beide Platin-Status.
 
 
91 / 08.08.2020
Dass sich massenkompatible Radiotauglichkeit und ein kluges Köpfchen nicht ausschließen müssen, haben bereits beispielsweise Mery Spolsky, Daria Zawiałow oder Sarsa bewiesen – und bei ihrer Kollegin sanah verhält es sich nicht anders. Auch hier könnte man beim ersten Hören schnell auf die Idee kommen, dass es mit knalligen Bässen, tanzbarem Groove und lieblich vorgetragenen Ohrwurmmelodien vor allem um Airplay und Clicks geht. Aber Zuzanna Irena Jurczak (geb. 1997 in Warschau) ist keine Marionette der Musikindustrie, sondern hat musikalisch einiges auf dem Kasten. Die Dame hat nämlich einen Abschluss im Fach Violine an der Fryderyk-Chopin-Musikakademie ihrer Heimatstadt in der Tasche und sowohl Geige als auch Klavier haben hörbar Spuren in ihren Kompositionen hinterlassen. Auch ihre Texte schreibt sie selbst und hat somit die volle Kontrolle darüber, dass auch der poppigste Uptempo-Clubkracher noch den besonderen lyrischen oder kompositorischen Kniff bekommt, der ihn zu etwas Besonderem macht. Insbesondere in ihren balladesken Songs merkt man zudem, dass sanah auch eine durchaus talentierte Sängerin mit jeder Menge Rhythmusgefühl ist. Das blieb den Zuhörer(inne)n und Zuschauer(inne)n nicht verborgen, die zuerst ab 2019 massenhaft ihre originellen YouTube-Clips ansahen und dann im Mai 2020 ihr Debütalbum „Królowa dram“ (Drama-Queen) in kürzester Zeit an die Spitze der Charts hievten.
 
 
92 / 10.08.2020
Es verbietet sich geradezu, einen Zyklus über Musik zu verfassen und dabei Kindermusik zu übergehen – also Musik von Kindern und für Kinder. Ein ganz spezielles Phänomen ist in dieser Hinsicht das Projekt Arka Noego (Arche Noah), das – wie der Name schon suggeriert – christlich angehaucht ist, aber vor allem Kinder ans Mikro stellt und über das singen lässt, was sie im Alltag beschäftigt. Und wenn sie wollen, kann es auch mal richtig laut werden, denn unterstützt wird der musikalische Nachwuchs von namhaften Musikern aus der polnischen Rockszene. Erstaunlich ist dabei die Kontinuität – seit dem Erfolgs-Debüt „A gugu“ (Kuckuck!, 2000) erschienen in schöner Regelmäßigkeit zehn Alben, dazu kommen Einspielungen für Computerspiele und Filme. Das bedeutet auch, dass die kleinen Stars beständig wechseln und immer wieder durch jüngere ersetzt werden. Man schätzt, dass inzwischen über 100 Kinder mit der Arche geschippert sind. Noch origineller: Die Alben erscheinen beim Label Metal Mind Productions, das sich auf harte Klänge spezialisiert hat.