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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Festival

Die Welt nach Bruno Schulz

09-14.11.2012

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Ort: Brotfabrik
Caligariplatz 1
13086 Berlin

Programmflyer:
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www.brotfabrik-berlin.de

Der Themenschwerpunkt rekonstruiert das Werk und das Leben von Bruno Schulz anhand der künstlerischen Adaptionen und Dokumentationen. Spielfilme, Dokumentarfilme, Essays, Animationen und Theateraufführungen sowie ein literarisch-musikalischer Abend bieten einen spannenden Einblick in die Welt von Bruno Schulz. Das Programm wird von Podiumsdiskussionen und Gesprächen begleitet.
 
Bruno Schulz wurde 1892 in Drohobycz geboren. Sein Leben widmete er der Schriftstellerei, Malerei und Grafik. 1941 musste er ins Drohobyczer Ghetto übersiedeln. Als Maler und Zeichner fand er im SS-Hauptscharführer Felix Landau einen, wenn auch zweifelhaften, Protektor. Am 19. November 1942, kurz vor seiner geplanten Flucht aus dem Ghetto, wurde Schulz auf offener Straße von einem Mitglied der Gestapo erschossen, wahrscheinlich aus Unmut gegen Schulz’ Gönner. Die Todesumstände genau zu rekonstruieren erweist sich wegen widersprüchlicher mündlicher Zeugenaussagen als schwierig.
 
Bruno Schulz debütierte im Jahre 1933 in der Zeitung „Literarische Nachrichten“ mit der Erzählung Vögel; kurz darauf erschien sein erster Band mit Erzählungen Die Zimtläden. Schulzs Leben war nicht einfach, von „linken“ Kritikern wurde Schulz seine Verliebtheit in das Formale, von einigen „rechten“ Kritikern wurde sein Werk als „jüdisch“ und „entartet“ abgelehnt.

 

Programm

09.11.2012, Freitag, 19:00 Uhr
Zimtläden – literarisch-musikalischer Abend
Regie: Daniel Odija, Musik: Marcin Dymiter, Darstellung: Leo Solter


 
Die Zimtläden von Bruno Schulz erzählen von der Kleinstadt Drohobycz, von gespenstischen Mythen der Kindheit, von Blüten des Wahnsinns und Sehnsucht nach der Heimat und dem Tod. Der Regisseur Daniel Odija belebt das Werk und setzt diese Collage aus Erinnerungen und Träumen in neuem Lichte zusammen. Er verbindet die Textfragmente in suggestiver Manier mit Musik. Das subtile Schauspiel von Leo Solter setzt zusätzliche Akzente. 

Vorfilm:
Niebo bez słońca / Himmel ohne Sonne
PL 1966, 27 min, ohne Dialoge; R: Jan Rybkowski, B: Jan Rybkowski / Jerzy Markuszewski, K: Marek Nowicki
Niebo bez słońca ist eine experimentelle Studie und eine Reflexion über das Werk von Bruno Schulz.
 
 

 
09.11.2012, Freitag, 21:30 Uhr

Sanatorium pod klepsydrą / Das Sanatorium der Sanduhr 
PL 1973, 119 min, OmeU; R: Wojciech Has nach „Das Sanatorium der Sanduhr” von Bruno Schulz, K: Witold Sobociński, M: Jerzy Maksymiuk, D: Jan Nowicki, Tadeusz Kondrat, Irena Orska, Gustaw Holubek u.a.


 
Joseph reist in ein Sanatorium, wo sein verstorbener Vater liegt. Er reist an einen Ort zwischen Leben und Tod, in ein Labyrinth aus Raum und Zeit, um sich darin ähnlich wie Kafkas Helden aus „Schloss“ oder „Der Prozess" zu verlieren. „Sanatorium pod klepsydrą" ist eine waghalsige Verfilmung des gleichnamigen Erzählbandes von Bruno Schulz. Das philosophische Zentrum des Films bilden die Kluft zwischen individueller und kollektiver Erinnerung und das Thema des Todes. Vor dem Hintergrund des Holocausts und der Ermordung von Bruno Schulz ist Josephs Übernahme der Rolle des Eisenbahners am Ende des Films eine erschütternde Metapher. Die überbordende Phantasie des Bildes (meisterhafte Kameraarbeit von Witold Sobociński) und die surreale Erzählensweise etablieren das hoffnungslose und melancholische Werk von Wojciech Has im Pantheon der Filmgeschichte.
Wojciech Jerzy Has (1925-2000) schuf Filme, die heute zu Klassikern des Weltkinos zählen. Zu seinen berühmtesten Filmen zählen Die Handschrift von Saragossa nach Jan Potocki aus dem Jahr 1965 mit Zbigniew Cybulski und Das Sanatorium der Sanduhr aus dem Jahr 1973 sowie Die Puppe aus dem Jahr 1969 nach Bolesław Prus. Wojciech Jerzy Has unterrichtete jahrelang an der Filmhochschule Łódź und prägte mehrere Generationen polnischer Filmemacher.

Vorfilm:
Der Lebenslauf von Bruno S. im Schrank gefunden / Życiorys Bruna S. wyciągnięty z szafy 
PL 1979, 8 min, OF dt. eingespr.; R/B: Alina Skiba, K: Mieczysław Poznański
Der Film von Alina Skiba ist eine Collage aus Bildern und Textfragmenten von Bruno Schulz.
 
Wiederholung am 12.11.2012 um 21:00 Uhr
 

 
 
10.11.2012, Samstag, 19:00 Uhr
 
Die Zimtläden
D 1991, 60 min, DF; R: Peter Schönhofer / Andrzej Woron, B: Martin Pohl

Anschließend Gespräch mit Andrzej Woron und Rüdiger Schaper



 
Bruno Schulz hat in den dreißiger Jahren erfolglos versucht, Die Zimtläden ausgerechnet deutschen Verlagen anzubieten. Erst 1961 werden seine Erzählungen ins Deutsche übersetzt. In den neunziger Jahren inszeniert der Maler und Bühnenbildner Andrzej Woron in einem Hinterhof in Berlin-Kreuzberg im „Kreaturentheater" die Welt von Bruno Schulz. In zwölf Bildern „malt“ Woron das Leben und die Ermordung von Schulz, die Todesschreie des Holocaust und das Erlöschen der Städter. Mit felliniesker Raffinesse verzaubert er den Zuschauer mit seinem komischen und gleichzeitig todtraurigen Puppentheater, mit selbst gebastelten Maschinen, Fratzen und Masken. Mit über 130 ausverkauften Vorstellungen waren die Zimtläden ein Hit der Berliner Szenebühne.
 
Andrzej Woron, geb. 1952 in Stare Juchy in Polen. Er studierte Malerei an der Hochschule der Künste in Warschau. Nebenbei kreiert er zahlreiche Bühnenbilder. Seit 1988 leitet er das Theater am Ufer, das ihn und die polnische Kultur über die Grenzen Berlins hinaus bekannt macht. Sein erstes Stück, Die Zimtläden von Bruno Schulz, wird zu einem herausragenden Ereignis der Theatersaison 1990/91 und zugleich zur Geburtsstunde des „Theaters der Kreatur“.

Vorfilm:
Street of Crocodiles 
Kanada 1987, 21 min, DF; R./K./B.: Stephen & Timothy Quay, M.: Lech Jankowski
Inspiriert von Meistern der visuellen Kunst wie Walerian Borowczyk und Jan Lenica gelingt Stephen und Timothy Quay das Unmögliche - den absurden Kosmos von Bruno Schulz wiederherzustellen. Mit ihren mechanisch-organischen Kreaturen und kafkaesken Puppen- und Objektanimationen erschüttern die Brüder Quay die Grenze zwischen Wachsein und Traum und beweisen, dass sogar so phantasievolle und hermetische Literaturwerke, wie die von Bruno Schulz, auch ihren Platz auf der Leinwand finden können.
Stephen Quay und Timothy Quay („Brothers Quay") sind Regisseure von Animationsfilmen, Musikvideos und Werbeclips. Die  Arbeiten der Brothers Quay gehören zu den bedeutendsten Beiträgen der Animationskunst. Sie leben und arbeiten in London.
 
 

 
11.11.2012, Sonntag, 18:00 Uhr 

Auf der Suche nach der verlorenen Kindheit - Wer war Bruno Schulz?
D 2012, 43 min, DF; Regie / Kamera: Matthias Frickel 
Auf der Suche nach der verlorenen Kindheit ist eine gelungene und sensible Annäherung an das Leben und an die Welten von Bruno Schulz. Matthias Frickel rekonstruiert nicht nur die äußerst fragile Struktur in Schulz’ Werk, sondern holt eine breite Palette von Künstlern vor die Kamera, deren Schaffen von Bruno Schulz inspiriert wurde, u.a. Benjamin Geissler, Bogdan Koca, Jonathan Safran Foer, Nadia Terranova, Ofra Amit, Shir Goldberg, Piotr Tomaszuk, Mariusz Kubielas oder den Frontmann der Rockgruppe Bruno Schulz.
Matthias Frickel: Journalist und Filmemacher, seit 15 Jahren spürt er im Fernsehen der Literatur, dem Fußball und dem Leben an sich nach. Als Autor und Video Journalist bereiste er für die Deutsche Welle drei Dutzend Länder, traf die unterschiedlichsten Menschen von Stanisław Lem bis Jogi Löw.

 

 
 
11.11.2012, Sonntag, 19:00 Uhr

Bilder finden 
D 2002, 104 min, DF; R/B/K: Benjamin Geissler

Anschließend Gespräch mit Benjamin Geissler / Moderation: Matthias Frickel


 
Bruno Schulz war in der galizischen Stadt Drohobycz gezwungen, in der vom Wiener SS-Führer Felix Landau okkupierten Villa Wandfresken für dessen Kinder zu malen. Diese Wandbilder konnten nach dem Ende des 2. Weltkriegs trotz intensiver Suche nicht wieder gefunden werden. Erst im Januar 2001 hat das Filmteam des Dokumentarfilmers Benjamin Geissler die lange verschollen geglaubten Bilder wiederentdeckt. Im Mai 2001 wurden Fragmente dieser Wandmalereien von Mitarbeitern der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem in einer geheimen Aktion aus den Wänden der Villa herausgetrennt und nach Israel verbracht. Das Vorgehen Yad Vashem’s führte zu einer weltweiten Kontroverse.
 
Benjamin Geissler (geb. 1964 in Orbeck) ist ein deutscher Dokumentarfilmemacher. Zu seinen Werken zählen u.a.: „Bussmanns im Wald“ (1990), „Vincenzo Floridia, oder die letzte Rose von Noto“ (1995), „Zeitsprung“ (1999), „Bilder finden“ (2002).

Vorfilm:
Ażotaż biletów na czas / Terminwarengeschäfte mit Tickets
PL 1984, 19 min, OF dt. eingespr.; R/B: Alina Skiba, K: Krzysztof Stawowczyk  
Alina Skiba sucht in ihrem Film nach Bildern zum Sprachwerk von Bruno Schulz. Das Ergebnis lässt staunen und öffnet eine neue Pforte in der Schulz-Rezeption.
 
Wiederholung am 13. und 14.11.2012 um 19:00 Uhr
 








Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.